10. April 2006
Sehr geehrte Frau Reim,
Ihr Sender stellt sich in diesen Tagen zur Freude vieler ZuhörerInnen und BesucherInnen mit einer Ausstellung und dem entsprechenden Katalog dar. Glückwunsch - es gibt genug Gründe für den RBB, sich zu feiern.
Mit Befremden stellen wir jedoch fest, dass eine der wesentlichen Sendereihen überhaupt nicht erwähnt wird: Kein Wort über das frauenpolitische Magazin ZEITPUNKTE, das sich in 26 Jahren einen Ruf als Bastion für Frauenfragen erwarb und immer noch, auch in seiner nunmehr aufgesplitterten Form, eine sehr beliebte Informationsquelle ist. Ist diese Nichtbeachtung Zufall? Oder ein Versehen? Vielleicht einer jener tiefsitzenden Schnitzer, die darauf beruhen, dass Frauen und ihre Arbeit für so nachrangig gehalten werden, dass beides einfach aus dem Gedächtnis fällt und damit letztlich auch aus der Geschichte?
Wir möchten Sie bitten, uns die Gründe für diese Nicht-Erwähnung zu erklären. Wir schätzen die Arbeit von Magdalena Kemper und ihren Mitarbeiterinnen sehr. Wir erinnern nur allzu gut, dass die ZEITPUNKTE während der 80er Jahre die Sendung mit der zweithöchsten Einschaltquote des SFB war, dass sie diverse Preise erhielt und Ort vieler frauenpolitischer Debatten war - beispielgebend für viele Journalistinnen bei anderen Sendern und in Printredaktionen; im Inland wie im Ausland. Nicht zuletzt sei daran erinnert, wie viele Examensarbeiten und Promotionen über diese erste tägliche frauenpolitische Hörfunksendung geschrieben wurden und wie sehr Politikerinnen aller Couleur dieses Forum wahrnahmen und immer noch schätzen. Umso weniger ist nachzuvollziehen, warum diese Sendung so offensichtlich aus der Rundfunkhistorie gestrichen wurde. Wir hoffen, dass gerade Sie Verständnis für unsere Kritik haben und zur Finissage mit der Charlottenburger Bürgermeisterin und 200 geladenen Gästen noch eine Korrektur anbringen können.
Dieser Brief geht in gleicher Form auch an Frau Hannelore Steer, Direktorin des Hörfunkbereiches, und Frau Dr. Ulrike Liedtke, RBB-Rundfunkrat.
Mit freundlichem Gruß
Eva Kohlrusch
Vorsitzende des Journalistinnenbundes