Blicke über die Oder – Rzut oka za Odrę

Bilder von der Auftaktveranstaltung: Fotos von Ulrike Helwerth »

Unter diesem Titel startete am 24. Mai das deutsch-polnische Tandem-Projekt des Journalistinnenbundes. Die Stipendiatinnen, fünf Paare bestehend aus je einer deutschen und einer polnischen Journalistin werden gemeinsam ein Thema erarbeiten und darüber in Medien beider Länder berichten.

Bearbeitet werden sowohl aktuelle Fragestellungen wie Erwerbschancen für Frauen im ländlichen Raum nach der Transformation, die Situation von Frauen im deutsch-polnischen Grenzgebiet oder der Spagat von deutschen und polnischen Frauen zwischen Kindern und Karriere als auch „Erinnerungsarbeit“ betrieben. Ein Rechercheprojekt wird sich z. B. mit jungen polnischen und deutschen Frauen beschäftigen, die im Dialog mit Überlebenden des KZ Auschwitz und durch Archivarbeiten die spezifische Situation von Frauen im Konzentrationslager erforschen wollen. 

Ein anderes will dem Schicksal polnischer und deutscher Frauen nachgehen, die in den Jahren 1945-47,  in den Wirren der Umsiedelungen, der Vertreibungen und Flucht gemeinsam unter einem Dach in Westpreußen, Pommern und Schlesien lebten. Auch das Schicksal deutscher Frauen, die nach dem Krieg in polnische Internierungslager kamen, wird thematisiert.

 Zur Auftaktveranstaltung von „Blicke über die Oder“ in der Berliner Friedrich-Ebert-Stiftung gab der Politikwissenschaftler Basil Kerski, Chefredakteur des deutsch-polnischen Magazins DIALOG eine kenntnisreiche Einschätzung des deutsch-polnischen Verhältnisses auf der politischen Bühne ab und damit  interessante Einblick hinter die Kulissen der beiden Länder.

Claudia Neusüss, selbstständige Politikberaterin referierte über das Geschlechterverhältnis und die Gleichstellungspolitik in beiden Ländern, wobei sie u.a. auf die Impulse verwies, die in diesem Bereich von der EU ausgehen. Sie erläuterte auch, wie selbst scheinbar genderresistente Institutionen von der Notwendigkeit des „Genderns“ überzeugen werden können.

Bei einem Besuch der taz sprach Chefredakteurin Bascha Mika über die weitreichenden Folgen der „Kartoffel-Affäre“, die durch eine Satire in ihrer Zeitung über den polnischen Regierungschef Kazcynzki ausgelöst worden war. 

Rozalia Romaniec, freie Mitarbeiterin des polnischen Dienstes der Deutschen Welle berichtete aus ihrem Leben als polnische Korrespondentin in Deutschland, über ihren Arbeitsalltag und die Themen, die „gehen“ bzw. in Polen niemanden interessieren.

Die zweitägige Auftaktveranstaltung diente dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Austausch der Teilnehmerinnen. Bis September 2007 haben die Tandem-Partnerinnen Zeit, ihre Themen zu recherchieren, die bis Ende des Jahres in Printmedien bzw. Rundfunk und Fernsehen veröffentlicht werden sollen. Parallel dazu dokumentieren sie ihre neue und ungewöhnliche Form der Zusammenarbeit.

Das Projekt „Blicke über die Oder“ wird von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert, die Friedrich-Ebert-Stiftung ist Kooperationspartnerin. Eine Dokumentation der Beiträge und der Zusammenarbeit der Tandems ist geplant.

Für weitere Fragen:

Projektkoordinatorinnen
Ulrike Helwerth, helwerth@aol.com
Katrin Lechler, KatrinLechler@web.de


Zurück