Theodor-Wolff-Preis für JB-Nachwuchspreisträgerinnen
Für
ihr Dossier „Hauptschüler und Migrant – und welche Chancen hast du
dann?“ haben die beiden Journalistinnen Miriam Opresnik und Özlem Topcu
in diesem Jahr den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Lokales“
erhalten – die renommierteste Auszeichnung in der Zeitungsbranche.
In
einem bisher einmaligen Langzeitprojekt hatten die beiden Reporterinnen
des Hamburger Abendblattes ein Jahr lang vier Hauptschüler mit
Migrationshintergrund in ihrem letzten Schuljahr und bei der Suche nach
einem Ausbildungsplatz begleitet. Das Ergebnis ist ein ernüchterndes
Dossier über die eher schlechten Zukunftsaussichten junger Migranten in
Deutschland und den Zustand des Schulsystems.
"Ich hoffe, dass
viele Lehrer, Ausbilder, Kommunalpolitiker nachlesen werden, was Miriam
Opresnik und Özlem Topçu über die Ansichten und Lebensaussichten junger
Migranten in Deutschland herausgefunden haben", sagte der
Kuratoriumsvorsitzende Hermann Neusser zu Beginn der Preisverleihung in
Köln am 12. September.
Die Urkunde für Miriam Opresnik und
Özlem Topçu überreichte Wilm Herlyn, Jurymitglied und Chefredakteur der
Deutschen Presse-Agentur. Er lobte den Mut der Redaktion, einem solchen
Langzeitprojekt Raum zu geben, und sprach von einem journalistischen
"Marathonlauf". „Miriam Opresnik und Özlem Topçu von der Lokalredaktion
des Hamburger Abendblatts haben ihre Idee mit ungewöhnlicher
Hartnäckigkeit verfolgt - die Zeitung hat dem Thema ungewöhnlich
breiten Raum gegeben.
Die Autorinnen verstehen es, diesen Raum
journalistisch hervorragend zu füllen und die präzise Beobachtung der
Einzelschicksale in plastische und zugleich nüchterne Sprache
umzusetzen“, sagte Herlyn und fügte hinzu: „ Hier lebt das Wort so
eindringlich, dass der Leser gefangen wird, beteiligt wird und beginnt,
sich Gedanken über seine Mitmenschen zu machen. Miriam Opresnik und
Özlem Topçu ist ein journalistisches Lehrstück gelungen."
357
Journalisten aus 103 Verlagen hatten sich an der diesjährigen
Ausschreibung beteiligt. Sechs von ihnen wurden ausgezeichnet: Carolin
Emcke ("Die Zeit") erhielt den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie
"Kommentar/Glosse/Essay" für ihren Beitrag über die Ermordung ihres
Patenonkels Alfred Herrhausen durch die RAF. In der Sparte
"Allgemeines" ging die Auszeichnung an Mark-Joachim Obert ("Frankfurter
Rundschau") für seinen Artikel über den Alltag eines
Trinkhallenbesitzers sowie an Thomas Kistner, der für das Magazin der
"Süddeutschen Zeitung" über Doping im Fußball schrieb.
Außer
Miriam Opresnik und Özlem Topçu nahm in der Kategorie "Lokales" auch
noch Stephan Hermsen ("Neue Ruhr/ Neue Rhein Zeitung") einen Preis
entgegen. Er berichtete über das Leben seiner behinderten Tochter.
Für
ihr Dossier sind Miriam Opresnik und Özelm Topcu bereits mehrfach
ausgezeichnet worden – unter anderem auch vom Journalistinnenbund im
Rahmen des Journalistenpreises „Andere Worte – neue Töne“.
