Bonn, den 08. Juni 2009
Den Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes „Andere Worte – neue Töne“ 2009
erhält die Hörfunk-Journalistin Stephanie Dötzer für ihr am 1. Juli 2008 im SWR
gesendetes Hörstück „Bagdad atmet noch – eine irakisch-deutsche Freundschaft“
Die Begründung der Jury: Ein irakischer Kameramann, Ehemann und Familienvater, erzählt vom Alltag in Bagdad und von seiner Arbeit für den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Als Kriegsberichterstatter begleitet er den Angriff der amerikanischen Armee auf seine Heimatstadt Bagdad, den Fall des Regimes von Saddam Hussein und die Straßenkämpfe in Fallujah. Er muss erleben, wie sein bester Freund neben ihm erschossen wird, wie der Körper seiner Schwester bei der Zerstörung seines Elternhauses geradezu zerfetzt wird. Durch seine persönlichen Schilderungen „sehen“ ZuhörerInnen Details, die in der üblichen Berichterstattung fehlen. Was der 2. Nahostkrieg für die Opfer bedeutet, wird fühlbar, nacherlebbar. Gleichzeitig stellt sich hier ein „ganz normaler“ Mann vor, mit seiner Lebenseinstellung, seinen Musikvorlieben, seinen Zukunftsvorstellungen. Er ist geprägt von der humanen, liebenden Haltung seines Vaters, vom Leben in einer modernen orientalischen Metropole, die eine antike Hochkultur fortführt. Er ist gebildet, sensibel, stolz und selbstbewusst.
Stephanie Dötzer ist ein atmosphärisch dichter und bewegender Radiobeitrag gelungen. Die schlichte Form der Wiedergabe eines Gesprächs ist dem Thema angemessen. Stephanie Dötzer erzählt die Geschichte einer Begegnung schnörkellos, ohne Pathos, mit großer Authentizität. Sie nutzt ein Mittel, das im Radio eindrücklicher als in allen anderen Medien einsetzbar ist,: die menschliche Stimme. Dabei bringt die Autorin ihre eigenen Standpunkte und Überlegungen mit ein. Sie gibt den Zuhörenden die Gelegenheit, ein vorgefasstes Bild zu ändern, so wie sie ihre eigenen Urteile in Frage stellt: Durch die bewusst gewählte subjektive Sichtweise werden mit weiblichem Blick gängige Klischees vom Alltag im Irak, insbesondere von arabischen Männern als fanatischen Gotteskriegern und fühllosen „Kampfmaschinen“ in Frage gestellt. Ihr Fazit ist einfach: Es geht inmitten des Krieges und der Vernichtung um Leben, Hoffnung und Menschlichkeit. „Bagdad atmet noch“.
Zur Preisverleihung am 6. Juni kamen die Preisträgerin Stephanie Dötzer und ihr Protagonist Laith Mushtaq, beide fest angestellt beim arabischen Nachrichtensender Al Jazeera in Doha/Katar, nach Weimar. Der preisgekrönte Beitrag war am Festabend im Rahmen der JB-Jahrestagung auf Schloss Ettersburg zu hören.
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Stephanie Dötzer