Allzu lange ließ die
die wissenschaftliche Nachfolgestudie über “Journalisten in Deutschland“
auf sich warten. Seit 1993 gab es keine
verbindlichen Zahlen mehr, die dezidiert Aufschluss darüber gaben, wie sich die
journalistische Landschaft und damit auch das Berufsfeld verändert hatten.
Jetzt liegt der an den Instituten für Journalistik und Kommunikation der
Universitäten Hamburg und Münster erarbeitete Report von Siegfried
Weischenberg, Maja Malik und Armin Scholl endlich als Buch vor. Die Gründe,
warum sich vor allem die Zahl der hauptamtlich arbeitenden JournalistInnen seit
1993 von rund 54.000 auf nur noch 48.000 im Jahr 2005 dezimiert haben und es
vor allem die Freiberuflichen sind, die mit 12.000 von einem Drittel auf ein
Viertel sanken, sind weitgehend bekannt. Sie bedürfen an dieser Stelle deshalb
auch keiner weiteren Erläuterung.
Hervorhebenswert ist stattdessen der erfreuliche Aspekt, dass sich der Anteil der Frauen von 20 Prozent Ende der 70er Jahre auf 37 Prozent im Jahr 2005 gesteigert hat. Am höchsten liegt er beim Fernsehen und am niedrigsten bei den Zeitungen.
Zwar lässt sich nach wie vor noch eine geschlechtsspezifische Ressortverteilung (Familie, Kinder, Lifestyle-Wellness-Themen) erkennen, dennoch scheinen sich die Grenzen in den zentralen Ressorts langsam aufzuweichen. In Wirtschafts- und Politik-Redaktionen sind Frauen heute wesentlich stärker repräsentiert als noch vor 12 Jahren. Wie schwer sich auch in der Medienbranche Beruf und Familie vereinbaren lassen, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass fast 60 Prozent der Journalistinnen keine Kinder haben. Mit einer Geburtenrate von 0,5 Kinder bringen sie deutlich weniger Nachwuchs zur Welt als die Frauen in Deutschland mit insgesamt (1,4 Kinder). Während gut die Hälfte keinen Nachwuchs hat, sind es bei Journalistinnen zwei Drittel.
Zu gut wissen sie um die Schwierigkeiten, nach der Familienpause ins Erwerbsleben zurückkehren zu wollen, um von dort noch in die Hierarchie aufzusteigen. In Führungspositionen sind sie ohnehin nach wie vor unterrepräsentiert. Und schlimm genug, dass sie auch immer noch wenige verdienen als ihre männlichen Kollegen.
Fakt ist zugleich, dass sich im letzten Jahr 7.000
JournalistInnen bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben und
die Zahl der bei der Künstlersozialkasse
gemeldeten FreiberuflerInnen von 14.000 auf 37.000 anstieg. Aus der Tatsache,
dass viele nebenberufliche JournalistInnen ihren Lebensunterhalt in anderen
Bereichen verdienen, ziehen die AutorInnen das Fazit: „Im Jahr 2005 können in
Deutschland wesentlich weniger Menschen vom Journalismus leben als noch
1993“.
Marlies Hesse
Konstanz 2006, UVK Verlagsgesellschaft, 315 S., 19,90 EUR,
ISBN 3-89669-586-4