Bonn, den 05. März 2010
Nur 23 Prozent aller Personen, über die in den deutschen Nachrichten berichtet wird, sind Frauen. Ihr Anteil stieg von 22 auf 23 Prozent, also um ein Prozent gegenüber der letzten Stichtagserhebung im Jahr 2005. Auch international lässt sich nur eine Steigerung um ein Prozent (von 23 auf 24 Prozent) verzeichnen, so das vorläufige Ergebnis des Global Media Monitoring Project (GMMP) 2010. mehr »
GMMP 2010: 15 Jahre nach Peking
Seit 1995 beteiligt der Journalistinnenbund sich an den internationalen Medien-Beobachtungen (Media
Watch, Global Media Monitoring Project – GMMP). Ziel dieser weltweiten Aktionen
ist es, die Darstellung von Frauen in den Medien systematisch auszuwerten und zu
überwachen. Der Journalistinnenbund ist verantwortlich für das Monitoring der
deutschen Print- und elektronischen Medien.
2005 wurde das "Global Media Monitoring" zum dritten Mal durchgeführt, um die Geschlechterverhältnisse in den Hauptnachrichten der Medien zu analysieren.
In die internationale Untersuchung flossen rund 13.000 Nachrichten aus Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehsendungen in 76 Ländern ein. Die Ergebnisse zeigen: Weltweit hat sich der Anteil der Frauen in den Nachrichtenberichten seit 1995 von 17 Prozent über 18 Prozent im Jahr 2000 auf 21 Prozent im Jahr 2005 erhöht.
Als Nachrichtensubjekte dominieren mit 79 Prozent nach wie vor Männer - und dies in allen Themenbereichen. 86 Prozent aller Pressesprecher und 83 Prozent aller Experten, die in den Nachrichten auftreten, sind Männer. Nur in zehn Prozent aller Berichte stehen Frauen im Mittelpunkt. Nachrichten werden vorwiegend von Männern gemacht und präsentiert.
Eine Ausnahme stellt das Fernsehen dar: Dort werden die Nachrichten mittlerweile zu 57 Prozent von Frauen präsentiert. In den Zeitungen bilden Berichterstatterinnen mit 29 Prozent weiterhin eine Minderheit.
Der Journalistinnenbund (JB) koordiniert seit 1995 die Untersuchung der deutschen Nachrichtenmedien.
Die deutschen Ergebnisse zeigen: Der Anteil von Frauen in den Nachrichten ist innerhalb von zehn Jahren deutlich gestiegen - und zwar von 12 Prozent im Jahr 1995 auf 22 Prozent im Jahr 2005. Im internationalen Vergleich bewegt sich Deutschland am Stichtag erstmals um einen Prozentpunkt über dem Weltdurchschnitt.
Spitzenwerte innerhalb Europas erzielen die Länder Belgien mit einem Frauenanteil von 31 Prozent, gefolgt von Schweden (30 Prozent) und Finnland (29 Prozent). In Lateinamerika rangieren Kolumbien (30 Prozent), in Nordamerika die USA (28 Prozent), in Afrika Ruanda (29 Prozent) sowie in Asien Bangladesch und Japan (jeweils 26 Prozent) an erster Stelle.
Das erste Monitoring, an dem sich 70 Länder beteiligten, fand 1995 im Vorfeld
der 4. UN-Frauenkonferenz in Peking statt. In der dort verabschiedeten
Aktionsplattform wurden die Medien als einer von zwölf "kritischen" Bereichen
aufgeführt und Maßnahmen von den Mitgliedsländern gefordert, um den Zugang von
Frauen zu und deren Darstellung in den Medien zu verbessern.
Im Jahr 2000, anlässlich der UN-Konferenz "Peking plus 5", wurde die Untersuchung wiederholt. Die Resultate blieben im Wesentlichen gleich. Der Journalistinnenbund (JB) beteiligte sich an beiden Aktionen und koordinierte die Erhebungen für die deutschen Medien.
Dafür wurden an einem Stichtag die jeweils erste Seite der überregionalen und großen regionalen Tageszeitungen sowie die Hauptnachrichtensendungen von öffentlich-rechtlich und privaten Hörfunk-und Fernsehanstalten nach einem bestimmten Schema ausgewertet.
Inzwischen ist das Media Monitoring ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten des Journalistinnenbundes geworden. Die nationalen und internationalen Daten dienen uns nicht nur als Begründung für unser Gender Training, sondern überall dort, wo wir über Qualität im Journalismus diskutieren.
PDF-Download: "Präsenz
von Frauen in den Nachrichten - Medienbeobachtungen 2005
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Medienbeobachtung am 16. Februar 2005 liegt unter dem Titel "Präsenz von Frauen in den Nachrichten. Medienbeobachtungen 2005" gedruckt vor. Die Dokumentation enthält u. a. die quantitative und qualitative Auswertung von zwölf Fernseh- und acht Radio-Nachrichtensendungen öffentlich-rechtlicher und privater Sender sowie die von zehn Tageszeitungen am genannten Stichtag. Ergänzt wird sie durch eine Zwölf-Wochen-Presseanalyse, die von einem Studienseminar an der Universität Lüneburg unter Leitung von Prof. Dr. Jutta Röser begleitend zum GMMP durchgeführt wurde. Die Broschüre kann über die JB-Geschäftsstelle bestellt werden.
JB-Pressemeldung zur Aktion 2006 "Wer macht die Nachrichten"
PDF-Download: "Margaret Gallagher:
Geschlechtsrepräsentationen in den Medien: Beobachtungen und ein globales
Bemühen, den Status Quo zu verändern (Januar 2006)
Homepage Global Media Monitoring Project und Informationen zur
Kampagne "Who makes the news" (WACC) [www.wacc.org.uk]
16.02.2006