"Fakten statt Phrasen - Politische PR auf dem Prüfstand"

Gerhard Schröder ließ zu Amtsbeginn einmal über seine politische Arbeit verlauten:
"Zum Regieren brauche ich Bild, BamS und Glotze". Und seitdem hat der Trend, sich bei der Politikvermittlung auf
Medien zu stützen, eher noch zugenommen. TV-Duelle zwischen McCain und Obama oder Skandale um Dirndlverweigerin
Claudia Beckstein zeigen, welch großen Einfluss mediale Inszenierung politischer Figuren auf den Wähler hat.
Der JB-Abend "Fakten statt Phrasen" im Presseclub widmete sich deshalb auch der Frage: Ist Glaubwürdigkeit angesichts
der vielen Skandale noch vermittelbar?

Daniela Raab, Bundestagsabgeordnete der CSU, und Margarete Bause, Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der
Grünen, versuchten gemeinsam mit ihren Pressesprecherinnen, Rosi Raab und Sophie Voit, Anworten zu geben. Und sie
wissen, wovon sie reden, denn sie nutzen die Möglichkeiten der politischen PR, um die Öffentlichkeit über ihre Arbeit
und deren Inhalte zu informieren. "Politik muss ja in die Öffentlichkeit wirken, muss ja den Menschen deutlich machen,
was will die Partei, was will der Politiker, was soll sich ändern, was soll gleich bleiben", davon ist Margarete Bause
überzeugt. Politische PR geht ihrer Meinung nach über die normale Öffentlichkeitsarbeit hinaus.

"PR versucht noch ein
Bild zu setzen, es mit Emotionen zu verbinden - man versucht auf den verschiedenen Ebenen mit Bildern, mit Aktionen zu
arbeiten, um eine größere Aufmerksamkeit zu kriegen." Doch in dem Ringen um das Platzieren eigener Themen in den Medien,
gibt es auch Grenzen, vor allem wenn es den politischen Gegner betrifft. "Die Instrumentalisierung von persönlichen und
privaten Schwächen halte ich für absolut daneben", sagt Daniela Raab. Auf Grund der Unterschiede zwischen weiblicher und
männlicher Inszenierung müsse auch die Pressearbeit verschieden zugeschnitten werden.
"Ich glaube schon, dass es
frauenspezifische Darstellungsformen gibt, die auch genutzt werden sollten" erklärt Daniela Raab.
Politische PR - ein Thema mit großem Diskussionsgehalt, dessen Ambivalenz die zwei Vertreterinnen aus gänzlich
unterschiedlichen Parteien nur noch interessanter und informativer gestalteten.
Der Artikel stammt von unserer Kollegin beim Jugendradio M94.5, Marie-Christine Knop
Regionalgruppe München - Herbst 2008
