
Unsere Kollegin Margit Miosga hat Susanne von Paczensky nach der Preisverleihung interviewt.
Gefällt Ihnen der Preis?
Ich bin wahnsinnig geschmeichelt, das kommt mir wie ein Gütesiegel vor, denn das sind meine Kolleginnen und die müssen das beurteilen können!
Heute sind viele junge Kolleginnen dabei, was können Sie ihnen mit auf den Berufsweg geben?
Sie müssen risikofreudig und neugierig sein, nicht so auf Sicherheit bedacht. Wer eine Lebensstellung mit Pensionsberechtigung haben will, wird nur in einzelnen Ecken des Journalismus was finden. Also: Courage, Neugier und gut schreiben können!
Sie haben die Lebensform freiberuflich gewählt?
Ich habe eine Abscheu gegen die Angestelltenexistenz. Ich habe zwar immer die beneidet, die früher bei Gruner & Jahr eine Gans zu Weihnachten bekamen, aber ich mag keine Vorgesetzten, ich mag keinen Zwang, es war besser für mich. Wenn ich Urlaub nehme, nehme ich bei mir selbst Urlaub. Ich war bei meine ersten Job in Nürnberg und anschließend bei der “Welt“ angestellt und dann nie wieder.
Sie gingen, nachdem sie über die Nürnberger Prozesse berichtet hatten, gemeinsam mit ihrem Mann Gerd von Paczenski zur “Welt“ , wie ist das gegangen?
Ich kriegte einen Job bei der “Welt“ - damals hatte wir noch einen englischen Besatzungsoffizier - und ich sagte zu ihm: “Ich habe gerade geheiratet und mein Mann muss auch.....“. “Wenn Du ihn gut findest, dann nehmen wir ihn auch.“ Kaum waren wir da, sagte der deutsche Chefredakteur: “Sie können ja nicht in einer Redaktion sitzen, wir haben eine Regel, dass Ehepaare das nicht dürfen. Susanne, Sie gehen doch sicher gerne ins Feuilleton!“ Ich ging überhaupt nicht gerne ins Feuilleton, ich konnte das Feuilleton nicht ausstehen, es erschien mir als esoterischer Unsinn. Ich war eine politische Reporterin, aber das nützte mir gar nichts.
Warum bekam er und nicht Sie den Job in der politischen Redaktion?
Weil er ein Mann war, nur deswegen!
Wie lange haben Sie “esoterischen Unsinn“ geschrieben?
Bis wir nach England gingen. Er wurde London Korrespondent für die “Welt“, ich nicht. Ich durfte was einreichen für das “Vermischte“, den Job kriegte er. Das hat mich sehr gekränkt. Ich war eine relativ prominente Journalistin mit dem “Glanz von Nürnberg“.
Sie sind nach Jahren im Ausland und als Herausgeberin der rororo Reihe Frauen aktuell, nach der ‘Wende“ nach Amerika gezogen – und wieder gekommen.
Es waren herrliche 12 Jahre in Berkeley, eine wunderbare Zeit. Ich habe meine Neugier befriedigen können und viele schöne Sachen geschrieben. Ich habe nette Freunde gefunden, eine große Kenntnis von Amerika erworben. Es ist ein Land, mit dem man nie fertig wird. Eines Tages habe ich Heimweh gekriegt und gemerkt, dass ich gerne nach Hause möchte – ich bin jetzt über 80.
Hat sie ein Gouverneur Arnold Schwarzenegger vertrieben?
Arnie hat mich überhaupt nicht gestört, aber Präsident Bush hat dazu beigetragen, dass ich mich leicht verabschieden konnte. Ich bin ein sehr politischer Mensch und im Ausland kannst Du Dich nie richtig äußern, man muss immer als Vorspruch sagen: ich bin Deutsche und kann mich deshalb nicht dazu äußern.... das hat mich sehr gehemmt.
Was haben Sie am meisten vermisst? Schwarzbrot?
Nicht Essen, ich kann gut kochen. Meine Freunde, eine bestimmte Art Politikinteresse. Vielleicht habe ich die SPD vermisst...... ich bin 30 Jahre SPD-Mitglied, das war für mich Heimat, ein Ort, wo man sich stritt und Leute sich für Politik interessierten ohne etwas werden zu wollen. In Amerika interessieren sich nur Leute für Politik, die dann gleich Gouverneur werden wollen.
Gibt es noch ein journalistisches Thema, das sie bearbeiten wollen?
Ich weiß niemanden, der es drucken will. Ich bin ganz stark vom Erwerbsinstinkt bestimmt. Ich schreibe nichts, was nicht bestellt ist. Ich bin doch keine Dichterin. Es gibt mehrere Themen über die ich sehr gerne mehr geschrieben hätte, aber es sind amerikanische Themen.
Müssten die Deutschen mehr über Amerika wissen?
Natürlich! Die Leute haben ein ganz flaches, plattes einseitiges Bild von Amerika. Amerika ist voll von wunderbaren Leuten und Orten, es ist so vielseitig und die Leute haben so viel Drive – man kann irrsinnig viel lernen, man kann auch vieles missbilligen, sicher.
Gefällt Ihnen die deutsche Medienlandschaft?
Nein, ich weiß nicht, ob ich Ihnen das alles erzählen will, ich will nicht mein eigenes Nest beschmutzen.