Hamburg Hafen (Foto:Frauke Langguth)
Jahrestagung des Journalistinnenbundes 2007 in Hamburg, Foto: Frauke Langguth 

Online. Wie neue Formen der Kommunikation die Gesellschaft verändern.

Margreth Lünenborg

Auf YouTube erleben wir Nicolas Sarkozy alkoholisiert beim G8-Gipfel, während französische Fernsehjournalisten ihrem Heimatpublikum diesen Anblick ersparen wollten. Ist das Voyeurismus oder Aufklärung? Amnesty International setzt hochauflösende Satelliten-Bilder ein, um den Völkermord in Darfur ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Ist das Journalismus ohne Journalisten? Kritische KommunikationswissenschaftlerInnen sprechen von der ‚redaktionellen Gesellschaft’:„Everybody is a journalist.“

Im Web 2.0 lösen sich die Grenzen zwischen Medienproduzentinnen und -rezipienten tatsächlich auf. Texte werden kollaborativ hergestellt. Finanzkraft und Konzernstruktur sind keine notwendigen Voraussetzungen, um Themen öffentlich zu verhandeln. Was bedeutet das für den gesellschaftlichen Diskurs? Wird hier endlich die Brecht’sche Vision eines gleichberechtigten Austauschs zwischen Sender und Empfänger Wirklichkeit? Oder ertrinken wir in einem Meer des Trivialen, Banalen und Irrelevanten und verlieren dabei die Inseln des Bedeutsamen aus dem Blick?

Unübersehbar ist, dass traditionelle Grenzlinien zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Unterhaltsamem und Informativem, zwischen Unabhängigem und Interessengebundenem in Bewegung geraten sind. Welche Folgen diese Entwicklung für gesellschaftliche Verständigungsprozesse hat und wie Männer und Frauen davon berührt werden, das steht im Mittelpunkt des Vortrags von Margreth Lünenborg.