Nachwuchspreis 2003 - Jurybegründung

Nachwuchspreis 2003 für Miriam Freudig

Der Journalistinnenbund verleiht den Nachwuchspreis 2003 der Hörfunkautorin Miriam Freudig für ihr Feature "Jetzt fängst du auch noch bei den Bio-Weibern an".

Sie hat die Geschichte der beiden West-Frauen mit dem Biobauernhof in Brandenburg als präzise Beobachterin dokumentiert; stilistisch sicher, mit großem Feingefühl und mit genauem Gespür für das Medium.

Miriam Freudig kann zuhören und ihre Protagonistinnen "aufschließen", mit scheinbar leichter Hand und mit großer Zuneigung für das Engagement der beiden Frauen auf diesem Hof. Nachvollziehbar wird die Härte der Arbeit, aber auch der Stolz auf das erreichte in diesem beispielhaft von Frauen betriebenen Projekt. Der so häufig instrumentalisierte Ost-West-Konflikt scheint in der gemeinsamen arbeit ebenso zum Anachronismus geworden, wie die Kraftvergeudung im Konkurrenzkampf mit Männern.

Die Autorin fängt mit schönen O-Tönen, die manchmal zu regelrechten Klangcollagen werden, ihre Eindrücke akustisch ein. Beim Hören entstehen immer neue Bilder im Kopf. Das geglückte Experiment der Biobäuerinnen findet seine Entsprechung in der geglückten medialen Form des Features von Miriam Freudig.

Anerkennung beim Nachwuchspreis 2003 für Marie-Dominique Wetzel-Leitner

Der Journalistinnenbund verleiht Marie-Dominique Wetzel-Leitner eine Anerkennung beim Nachwuchspreis 2003 für ihr Radiofeature "Miss.you - wie weiblich ist die Kunst?"

Anlässlich einer gleichnamigen Ausstellung in Freiburg hat die Autorin ihr eigenes Befremden gegenüber dieser Frage zum Anlass genommen und thematisiert damit auf ungewöhnlich direkte, mutige Art die allgemeinen gesellschaftlichen Berührungsängste mit frauenpolitischen Ansätzen.

Ihre eigene Skepsis wurde ihr zum dramaturgischen Stilelement: Gibt es das überhaupt - weibliche Kunst? Und wenn ja, worin zeigt sie sich? Wozu soll ein feministischer Kunstansatz dienen? Schließlich: Wo wird daraus eine feministische Stellungnahme?

So holt sie ihr Publikum dort ab, wo es eben steht. Doch aus ihrem Unbehagen wird Neugierde durch die Ausstellung, in die Wetzel ihre HörerInnen qua ihres Mediums mitnimmt: eine Klangcollage wird zur Pforte zu einem Themenkomplex, der sich der jungen Kollegin labyrinthartig erschließt.

Mit O-Tönen, Interviewmitschnitten und szenischen Passagen führt sie die ZuhörerInnen zu immer neuen Aspekten. Am Ende vermittelt sie keine Antwort sondern die Erkenntnis, dass die "Frauenfrage" nicht obsolet, sondern - nach wie vor - hochaktuell, facettenreich und sehr differenziert ist.

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