Annette Walther
Annette Walther

Nachwuchspreis 2006 - Jurybegründung

Nachwuchspreis 2006 für freie Hörfunk- und Fernsehjournalistin Annette Walther für das Hörfunk-Feature "Radioday 31.8.1997 - Goodbye England's Rose".

Annette Walther rekonstruiert und reflektiert darin den Tag, an dem Lady Diana tödlich verunglückte, indem sie unterschiedliche Tondokumente montiert, wie sie an diesem Tag im Radio zu hören waren. Verwendet werden Nachrichtensendungen, Hintergrundberichte, Interviews, Verkehrsmeldungen, aber auch ein Kriminalhörspiel oder etwa eine Satiresendung.

Mit ihrer temporeichen Hörcollage gelingt es Walther, die mediale Dramatik des Ereignisses einzufangen. Nachvollziehbar wird auf diese Weise auch die ganze Absurdität des Medien-Hypes. Walther richtet den kritischen Blick auf diejenigen, die über das Ereignis berichteten, darüber hinaus aber auf alle, die die Hysterie um die "Königin der Herzen" bedienten.

Das frappierende Gemenge aus realen und fiktiven Ebenen im Feature entspricht dem unentwirrbaren Geflecht aus Tatsachen, Vermutungen, Wunschbildern und Fakten, wie sie das Leben der zur Medien-Ikone stilisierten Frau prägten. Eine ungewöhnliche, extrem unterhaltsame Form der Medien- und damit Selbstreflektion mit Hörspielqualität.

Anerkennung für die freie Journalistin Britta Richter für das Radiofeature "Wir halten zusammen".

Britta Richter stellt sich vom journalistischen Standpunkt aus einer heiklen und schwierigen Aufgabe: Sie entwirft ein Psychogramm ihrer eigenen Familie, die über Jahre von schweren Schicksalsschlägen verfolgt wird. Alles Denken und Handeln kreist um das erlebte Unglück, während die Tochter daran festhält, dass es dennoch oder gerade deshalb "ein Recht auf Glück" gibt.

Es ist in hohem Maße beeindruckend, mit welcher Souveränität Britta Richter ihr eigenes Familiendrama in Worte fasst und das Dilemma von allen Seiten sichtbar macht. Sie bringt nicht nur ihre engsten Angehörigen zum Sprechen, sondern reflektiert zugleich mit angemessener Distanz die eigene Position. Britta Richters ruhige Erzählhaltung, die sprachliche Eleganz, die ungewöhnlich offenen O-Töne der Familienmitglieder und die spannungsreiche Musikauswahl machen das Feature zu einer Hörerfahrung von großer Intensität.

Anerkennung für die freie Journalistin Nadja Rupnow für die O-Ton-Collage "Verlobung im Altersheim".

Alter zwischen Demenz und Depression? Geprägt von Einsamkeit und Bitterniss? Nadja Rupnow zeigt in ihrem Dreiminüter eine völlig andere Variante des Lebensabends.

Zwei über 80-Jährige finden sich nach 50 Jahren zufällig im gleichen Altersheim wieder und verloben sich. Die Journalistin beschränkt sich ausschließlich darauf, ihre glücklichen ProtagonistInnen zu Wort kommen zu lassen, was mit einschlägig bekannten Liebesliedern versetzt wird.

Kann man eine Liebes- und hier gar eine Lebensgeschichte in drei Minuten erzählen? Nadja Rupnow gelingt es. Das Hörstück taktet schnell, die lebhaften O-Töne sind knapp geschnitten, die Musik keineswegs nostalgisch, die ausgewählten Aussagen des glücklichen Paares erstaunlich offen, zärtlich und jung - was alles in schönstem Gegensatz zu dem eigentlichen Alltagshintergrund dieser beiden Alten und dessen üblicher Darstellung steht. Rupnow zeigt, dass Glück und die erfolgreiche Wendung der Dinge in jedem Lebensabschnitt möglich ist. Eine höchst vergnügliche Auflehnung gegen medienübliche Stereotype.

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