
Aus der Begründung der Jury:
Der Journalistinnenbund verleiht den Nachwuchspreis 2008 an die Redakteurin bei der Zeitschrift GEO Susanne Krieg für ihre Reportage „Braut wider Willen“.
„Die Braut muss mürbe werden“, sagt man im Dorf,
„damit sie sich in der Hochzeitsnacht nicht wehrt.“ Diese Braut ist
hier Leywalem und sie ist 14 Jahre. 57 Prozent aller Äthiopierinnen
werden als Kinder verheiratet, in Radjasthan sind 15 Prozent aller
Ehefrauen noch nicht einmal zehn Jahre alt, weltweit rechnet man in den
nächsten zehn Jahren mit weiteren 25.000 Kinderbräuten, meist in
Afrika und Asien.
Susanne
Krieg hat zu dem Thema eine Reportage gemacht, die einen nicht nur
mitnimmt, sondern einem direkt den Atem raubt. Ein sachlicher, manchmal
fast lakonischer Stil steht im Gegensatz zu den authentischen Szenen
aus den Lebenssituationen der Kinderbräute – aber auch ihrer
Ehemännern. An keiner Stelle nimmt die Autorin selbst direkt Stellung:
Die Drastik der Verhältnisse, die sie aufspürt und so glasklar wie
einfühlsam schildert, spricht hier für sich selbst Recht.
Der
Rhythmus dieser Reportage, wie die Autorin Fakten und Zahlen gegen die
Schilderung individueller Lebenssituationen setzt, wie sie auch hier
zwischen szenischer Beschreibung und psychologisch einfühlsamer
Skizzierung wechselt, dass sie sogar noch an zwei verschiedene Enden
der Welt reiste, das alles macht das Stück von Anfang bis zum Ende
fesselnd, aufrüttelnd und erschütternd glaubwürdig. Die lückenlose,
aufwändige, dabei hochsensible Recherche und die sprachliche Diktion
zeugen ebenso von einem außergewöhnlichen Engagement wie von einer
herausragenden journalistischen Sicherheit und Begabung.
Wir ehren Susanne Krieg überzeugt und mit Begeisterung für „Andere Worte und neue Töne“.