Grafik Journalistinnenbund

Erinnerung an unsere Kollegin Marianne Lange

Am 18. April 2013 verstarb die jb-Kollegin und ehemalige Berliner Gruppensprecherin Marianne Lange. Eine Erinnerung von Christine Olderdissen.

„Löwe, scharr mir ein Grab und wach darüber in Armut und Würde“
darüber ein Foto von Marianne Lange mit einem breiten Lachen im Gesicht.

So nehmen ihre Partnerin und ihre vier Geschwister Abschied von der am 18.4. Verstorbenen. Gestern Abend fand ich ihre Traueranzeige in meinem Briefkasten, gesendet von ihrer langjährigen Gefährtin Ute Möhring.

Marianne war mit mir zusammen Regionalgruppensprecherin für den JB Berlin, ab der Weihnachtsfeier 2004, für ein kurzes Jahr nur. Dann kam der Ruf nach Afrika, Ute bekam die Möglichkeit in Ghana für die Europäische Union zu arbeiten. Marianne war zögerlich, überlegte in Berlin zu bleiben, ihre journalistische Arbeit, stark verbunden mit den Gewerkschaften, war hier. Ich habe ihr Mut gemacht, die einzigartige Chance zu nutzen für ein Jahr oder länger in Afrika zu leben. Marianne ging mit Ute und schrieb schon bald lange Serienbriefe mit Berichten über das Eintauchen in eine fremde Welt, mit eigenem Haus und Bediensteten und über das Amüsement einer zugelaufenen Katzenfamilie.

Je länger die beiden blieben, desto loser wurde unser Kontakt. In diesem Januar meldete sich Marianne plötzlich wieder, wir trafen uns in einem Café in Schöneberg. Sie erzählte von Operationen und Chemo und den Kampf ums Weiterleben. Aber auch von den vielen Reisen in die benachbarten Länder Westafrikas, privat und beruflich, und immer mal wieder nach Deutschland, der Begegnung mit Christoph Schlingensief in seinem Operndorf, alles was gerade mal so in zwei Stunden angerissen werden kann. Marianne und Ute sind Ende 2011 zurückgekehrt, diesmal mit Wohnsitz Bonn, also nicht mehr weit weg von Gelsenkirchen, wo Marianne ihre familiären Wurzeln hat. Zwischen den Jahren haben sie Berlin besucht, nur die beiden allein, ohne sich zu melden. Ich vermute, sie wollten die vertrauten Orte noch mal sehen, die sie in ihrer Berliner Zeit kennen- und lieben gelernt hatten.

Bei unserer letzten Begegnung hat Marianne von hinreißenden Filmabenden erzählt, die sie für die Internationale Community in ihrem Haus in Ouagadouou in Burkina Faso veranstaltet hat, mit Queer Movies, Lesben- und Schwulenfilmen. Ihre Augen leuchteten und ich habe noch einmal für einen Moment die Marianne erlebt, die ich kannte. Mutig, tatkräftig und immer geradeaus.

Bye, bye Marianne.
Christine Olderdissen