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Frauen müssen die Klappe aufmachen, so Sabine Zurmühl beim jb-Abend in Berlin

Frauen müssen die Klappe aufmachen, so Sabine Zurmühl beim jb-Abend in Berlin

Frauen müssen die Klappe aufmachen, so Sabine Zurmühl beim jb-Abend in Berlin

Es war eine Zeit des Aufbruchs und der hoffungsvollen Revolte, als die Frauen rund um Sabine Zurmühl, die einzige professionelle Journalistin, die Frauenzeitschrift „Berliner Frauenzeitung Courage“ gründeten. 

Hervorgegangen war das zutiefst politische Blatt aus einem Arbeitskreis des „Aktionsrates zur Befreiung der Frauen“. Eine finster begründete Notwendigkeit, wie Sabine Zurmühl in ihrem Rückblick beim Journalistinnenbund betont: „Wir hatten alle sehr, sehr frauenfeindliche Erfahrungen gemacht und hatten dem als Mädchen nichts entgegen zu setzen.“ Auf der einen Seite standen die Mütter und Großmütter, die ihre Familien durch den Krieg gebracht hatten und nach der Heimkehr der Männer wieder ihre neu gewonnenen Positionen räumen mussten – auf der anderen leuchtende Beispiele, wie die indische Staatschefin Indira Ghandi, die der Welt zeigten: Frauen können es doch schaffen.   „Es gab keine Anerkennung für unser Geschlecht“, sagt Zurmühl.

Benannt wurde die Zeitschrift übrigens nach dem ersten Flyer, der in ihrem Namen entstand – um Geld für das Projekt einzuwerben. Auf dem Titel prangte das Bild von Helene Weigel in ihrer Rolle als „Mutter Courage“.

Und so begann die zu Beginn kaum ein Dutzend zählende Gruppe in einer Wohnung in der Berliner Hornstraße 2 damit, die Frauen wachzurütteln – unter abenteuerlichsten Bedingungen und erfüllt vom Feuer der Mission. „Jeder machte, was er konnte – oder wozu er sich berufen fühlte“, erinnert sich Zurmühl, nicht ohne Ironie. Hierarchien – die das Projekt letztlich hätten retten können – wurden abgelehnt, „In naiver Treuherzigkeit haben wir diese ganzen Diskussionen im Blatt abgedruckt. Und die wurden auch noch gelesen.“  Doch im Mittelpunkt stand ganz Praktisches: das neue Scheidungsrecht etwa, Grundsatzartikel zum Paragraph 218 oder – die Termine für den nächsten Frauenkongress. Die Themenhefte spiegelten jeweils den Stand der Wissenschaft wider und hatten das Renommee von Fachliteratur.

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Die Resonanz war so groß, dass das Berliner Blatt schon im zweiten Jahr im ganzen Bundesgebiet verkauft wurde. Allerdings wurde es nur acht Jahre alt. Weil andere Redaktionen auf die so genannten Frauenthemen aufmerksam wurden und die weniger politische „Emma“ viel Kaufkraft abzog, stellten die Macherinnen ihr Projekt in allen Ehren ein. Ein Rückblick der Friedrich-Ebert-Stiftung würdigte die Arbeit der Pionierinnen zum 30. Geburtstag, am 17. Juni 2006.

Doch was ist geblieben aus dieser Zeit  des Kampfes um die gleichberechtigte Anerkennung der Frau? Jedenfalls der Journalistinnenbund (den Sabine Zurmühl ebenfalls mit gegründet hat),und  ein Thema, das mal mehr, mal weniger Platz fand in den Redaktionen. Die Erkenntnis, dass trotz gemeinsamer Wurzeln in Ost- und Westdeutschland kulturelle Gegensätze das Allgemein-Frauliche überlagerten, ein gesamtdeutsches Netzwerk auch im Journalistinnenbund nicht mehr zustande kam. Dass es immer noch keinen Königsweg gibt, der Frauen zu gleichberechtigten Partnerinnen im Beruf macht. Dass eine Frauenkarriere wohl meist einen bitteren Beigeschmack behält: „Auf Kinder haben wir verzichtet“, sagt Sabine Zurmühl.  Dass Konzepte für einen neuen Feminismus derzeit weder in Sicht noch en vogue sind – und damit auch jede Aussicht auf Besserung. Oder, wie die JB-Vorsitzende Andrea Heinze sagt: „Frauenthemen sind nicht mehr Avantgarde, und es sitzt keine neue Generation an den Schalthebeln, die das ändert.“ Wie weiter mit dem Feminismus also? Da lächelt Sabine Zurmühl: „Man muss die Klappe aufmachen und dann die verdatterten Gesichter aushalten. Das ist das einzige, was hilft.“

Stefanie Schuster