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Zurückgeblickt: Perspektivwechsel durch Speed-Dating

Es klingt wie aus dem Handbuch der Klischees: Recherchetour in Mecklenburg-Vorpommern und der Befragte antwortet auf jede Frage der Reporterin mit einem konsequent-ausführlichen „Jo“! Ihrem Gegenüber sei einfach nichts zu entlocken gewesen, erzählte Conny Gerlach auf die Frage nach der Interviewsituation, die sie am meisten berührt habe. Andrea Heinze berichtet stolz von einem Radio-Feature über  „Aristoteles und die Spielkonsole“, in dem sie ihre Begeisterung und Leidenschaft für öffentliche Bibliotheken in der ganzen Welt vereint hat. Und Jutta Rosenkranz erzählt, dass ihre größte Herausforderung sei, sich von ihrem „Schatten“ Mascha Kaléko zu befreien und dass sie gerne einen Gedichtband veröffentlichen würde.

Nun ja, das Journalistinnenleben hält viele solcher individueller Berufsgeschichten und überraschender Einblicke bereit. Vorausgesetzt wir treffen aufeinander und fragen uns gegenseitig, was uns journalistisch gerade umtreibt, welche Themen oder Berichte wir gerne lesen und warum, wen wir gerne im Radio hören oder worauf wir besonders stolz sind, weil es uns gelungen ist. So erfährt man möglicherweise auch Privates. Wir wissen ja: Auch das Private ist (frauen)politisch.

Beim jb-Speeddating im Oktober war hervorragende Gelegenheit dafür. Perspektivwechsel mit Fragestellung und Zeitlimit. Und weil alle wussten, dass es kein Abend für einsame Herzen werden würde, sondern „eine spannende Methode, Kolleginnen neu zu erleben, deren aktuelle Projekte kennenzulernen und sich selbst und die eigene Arbeit im unterhaltsamen Rahmen zu präsentieren“ versprochen war, gab es für alle Anwesenden reichlich Gesprächsstoff. Und natürlich auch Gelegenheit, die neue Berliner Co-Sprecherin Conny Gerlach kennenzulernen.

Ina Krauß