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„Drama, Katastrophe und Euphorie“

Vor acht Jahren verfasste jb-Mitglied Nadja Katzenberger den ersten Eintrag für ihr Fußballblog „Der Club und ich“. Und alles nur, weil Nadjas Mann sie mit seiner Fußballeuphorie zugleich nervte und amüsierte. Er ist ein glühender Fan des 1. FC Nürnberg, und dieser spielt eher mittelklassig und steigt ständig ab. Für ihr Blog, sagt Nadja, gibt das „die nötige Mischung aus Drama, Katastrophe und Euphorie.“ Sie ist sicher: „Es würde nicht funktionieren, wenn mein Mann Fan des FC Bayern München wäre.“

Nadja, welche Reaktionen bekommst du auf dein Blog?

Sehr lange Zeit habe ich das Blog nur im Freundeskreis bekannt gemacht, ich hatte einen E-Mail-Verteiler mit ungefähr 20 Lesern. Deren Reaktionen waren durchweg positiv, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese persönlichen Geschichten jemand lustig findet, der weder mich noch meinen Mann kennt.

Dass dem doch so ist, habe ich nach drei Jahren festgestellt, als ich Blogposts bei einer Schreibwerkstatt vorgelesen habe. Meine Leser sind sowohl männlich als auch weiblich, ich glaube, das ist ziemlich 50-50.

Wie empfindest du die Fußballberichterstattung in Deutschland?

Ich empfinde die Fußballberichterstattung in Deutschland als sehr homogen und sehr dominiert vom TV, selten, dass da mal ein Reporter oder Kommentator heraussticht, weil er einen anderen, interessanteren Stil hat.

Die wenigen Frauen, die bei diesem Zirkus mitmischen, ordnen sich da brav ein. Von daher finde ich auf jeden Fall, dass Journalistinnen fehlen. Vor allem im Printbereich, da gibt es ja so gut wie gar keine. Es ist mir nicht egal, ob Mann oder Frau berichtet, weil mir so stark auffällt, wie männerdominiert Sportberichterstattung an sich ist. Bei der Frauen-WM hat, wenn ich mich richtig erinnere, eine Frau ein Spiel kommentiert, es war natürlich nicht das Finale. Männer dagegen kommentieren alles, ob Männer-Fußball oder Frauen-Biathlon. Und letzteres sehr schlecht.

Hast du Lieblingsfrauen in der Fußballberichterstattung?

Ganz wenige: Kathrin Steinbichler von der SZ, Anna Kemper, die auch für 11 Freunde schreibt, Iris Hellmuth, aber die macht jetzt leider Kultur, Sabine Töpperwien, die einzige, die ich aus dem Radio kenne. An ihren Herangehensweisen mag ich diese gesunde Distanz, die können sehr gut zwischen Fan- und Journalist-Sein unterscheiden.

TV-Frauen gibt es natürlich mehr, aber da würde ich keine zu meinen „Lieblingsfrauen“ zählen. Schade, dass fast jede, die im Fernsehen neu anfängt, noch mit Carmen Thomas’ „Schalke 05″-Fauxpas konfrontiert wird, das ist mehr als 40 Jahre her.

Warum berichten deiner Meinung nach mehr Männer über Sport als Frauen?

Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass viel mehr Männer Sport-Fans sind. Den meisten Frauen ist dieser Fanatismus völlig fremd, in den sich Männer reinsteigern können, wenn der Schiedsrichter Abseits gepfiffen hat, wo keines war. Die meisten Sport-Journalisten sind Sport-Fans und sind so zum Sport-Journalismus gekommen. Sport-Journalistinnen haben eine andere Herangehensweise, ich kann nur vermuten, dass das lange nicht gefragt war – aber es wird besser.

Wirkt sich der Frauenmangel in den Sportredaktionen darauf aus, wie über Sport und Sportlerinnen berichtet wird?

Bestimmt, aber die Redaktionen sind heute da sicherlich sensibilisierter. Aber wenn beim Frauen-Biathlon der Kommentator immer noch von „den Mädels“ spricht und über 30-Jährige meint, die seit fast 20 Jahren professionell Biathlon betreiben, nervt mich das gewaltig.

Warum bist du keine Sportjournalistin geworden?

Haha! Weil ich erstens total unsportlich bin – im Blog gibt es dazu das Post Grundsätzliches zu Ballsportarten – und mich nie für Sport interessiert habe. Wenn mein Mann also mit seiner Fußball-Leidenschaft nicht so hartnäckig gewesen wäre, gäbe es das Blog und meine Leidenschaft für den Club sicherlich nicht.

Ich würde mich aber nie soweit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass ich von Fußball wirklich Ahnung habe. Aber das ist ja das schöne an dieser Sportart: Man muss gar nicht so viel wissen und versteht das Spiel trotzdem schnell. Und ich bin immer wieder überrascht, wie leicht sich Männer von meinem Halbwissen beeindrucken lassen. Den Smalltalk in der Kantine hat es auf jeden Fall verbessert.

Das Interview führte Juliane Schiemenz.

Zur Person:

jb-Mitglied Nadja Katzenberger lebt in München und ist Redakteurin bei der Apotheken Umschau. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn. Während sie sich bei ihrer Tochter noch nicht ganz sicher ist, ob sich die Fußballleidenschaft vererbt hat, sagt sie über ihren Sohn: „Der wird den 1. FC Nürnberg zur ersten Meisterschaft seit 1969 schießen! Spätestens 2033.“

Nadja bloggt unter Der Club und ich