Marlies-Hesse-Nachwuchspreis 2026 für Livia Grossenbacher

Livia Grossenbacher / Foto: Binta Kopp
Für ihre Podcast-Serie „Halbwertszeit“, erschienen auf der Schweizer Digitalplattform Republik, zeichnet der Journalistinnenbund die Berner Journalistin mit dem Marlies-Hesse-Nachwuchspreis 2026 aus.
In Co-Autorinnenschaft mit der Historikerin Dr. Corinne Geering schildert die 30-jährige Autorin die Situation der Schweizer Heimarbeiterinnen, die bis in die 1960er-Jahre zu Hause die Zifferblätter der berühmten Schweizer Uhren mit radioaktiver Farbe zum Leuchten brachten. Die Folgen des Radons sind bis heute messbar. Es geht – wie der Untertitel der Reihe lautet – um „Die hohen Kosten für ein unscheinbares Produkt“. Ein Kapitel Schweizer Geschichte, das nie umfassend aufgearbeitet worden ist. Erst nach der Entdeckung, wie verstrahlt Wohnungen der Frauen heute noch sind, gilt nun auch der Geschichte der Arbeiterinnen eine Aufmerksamkeit.
Die Jury war einhellig beeindruckt von einer exzellent recherchierten Podcast-Reihe, von deren sehr differenziertem Sounddesign in der Mischung von Interviews, Zitaten und Musik sowie der innovativen Thematik. Es werden die soziale Situation und die gesundheitliche Gefährdung von Heimarbeiterinnen mit Fragen der gesellschaftlichen Ignoranz gegenüber Umweltbedrohung und Schädigung für die Menschen eindrucksvoll verbunden.
Der MHNP-Jury gehören an: Julia Bellan (Redakteurin Visualisierung, MHNP-Preisträgerin 2025), Monika König (Lektorin), Franziska Pröll (Autorin und Redakteurin, MHNP-Preisträgerin 2025), Gislinde Schwarz (freie Hörfunkjournalistin), Lisa Westhäußer (Reporterin) und Sabine Zurmühl (Vorsitz, freie Autorin).
Die ersten beiden Teile der Podcast-Reihe „Halbwertszeit. Die hohen Kosten eines unscheinbaren Produkts“ sind hier zu hören:
Folge 1: “Die Deponie”
Folge 2: “Die Heimarbeiterin”
Der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis, benannt nach seiner Stifterin, wird bereits seit 2002 an junge Kolleginnen bis 35 verliehen, die ihren differenzierten Blick auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Männern und Frauen verschiedener Ethnien, Religionen oder Generationen richten. Er ist mit 1.000 Euro dotiert.
Die jb-Medienpreise werden im Rahmen der jb-Jahrestagung am 27. Juni 2026 in Nürnberg in Anwesenheit der Preisträgerinnen verliehen. → Pressemitteilung zu den jb-Medienpreisen 2026 (PDF zum Download)