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#FemaleHeritage: Literarisches Erbe Münchner Frauen

Wo sind die Schriftstellerinnen? Diese Frage stand am Anfang der Amtszeit von Anke Buettner, seit 2019 leitet sie die Monacensia im Hildebrandhaus. Das Archiv gilt als das literarische Gedächtnis der Stadt München. „Es bestand zum Großteil aus Nachlässen männlicher Autoren“, berichtet Mitarbeiterin Sylvia Schütz. „Für uns war klar: Das müssen wir ändern!“

Drei Frauen hören aufmerksam bei einer Ausstellungsführung zu

Gunda Achterhold (li.), die diesen Bericht verfasst hat, und zwei ihrer Münchener jb-Kolleginnen / Foto: Isabel Nitzsche

jb-Regionalgruppe München zu Besuch im Literaturarchiv Monacencia

Zusammen mit Patrick Geiger führte Sylvia Schütz uns Münchner jb-Frauen am 2. Juli durch die im Mai eröffnete, von ihnen kuratierte Ausstellung „Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv“. Tanja Praske, Kuratorin für digitale Kultur, war auch gleich mit dabei und vermittelte uns anschaulich, wie sich das 2020 aus der Taufe gehobene Projekt #FemaleHeritage im digitalen Magazin „Mon Mag“ zeigt. Mit dem Kulturerbe-Projekt beleuchtet die Monacensia weibliches und queeres Schreiben von der Münchner Boheme bis zur Gegenwart.

Analog und digital wird bei allen Projekten zusammengedacht. So ergänzt das Online-Angebot „Literatur & Haltung digital“ die Themen der aktuellen Sonderausstellung nicht nur, es vertieft sie auch. Ein besonders berührendes Beispiel: In Theresienstadt schrieb Gerty Spies ihr Gedicht „Flieger nach Westen“ auf heimlich entwendetes Packpapier – die mit blauer Tinte geschriebenen Verse sind in der Ausstellung zu sehen. Ein Blogpost ordnet zusätzlich ein und macht den Text vollständig lesbar. Jahrzehnte später ging auch sie, die Überlebende, in Rachel Salamanders legendärer „Literaturhandlung“ ein und aus.

Rachel Salamanders Literaturhandlung

1982 gegründet, entwickelte sich die Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum im Nachkriegsdeutschland schnell zu einem lebendigen Ort literarischer Debatten und des Austauschs. „In einer Zeit, als es in Deutschland noch so eine Befangenheit gab, schuf sie jüdischen Autoren und Autorinnen einen Raum“, sagt Sylvia Schütz. Rachel Salamanders Laden in der Fürstenstraße war ein Kristallisationspunkt intellektuellen jüdischen Lebens, ein kleiner Stapel Kassetten veranschaulicht das in der Ausstellung sehr charmant: Es sind Aufnahmen von Lesungen und Diskussionsrunden in der Literaturhandlung. Hilde Spiel, Ruth Klüger, Amos Oz, Marcel Reich-Ranicki, David Grossmann, Barbara Honigmann, Batya Gur oder Schalom Ben-Chorin – alle kamen sie in die Maxvorstadt, lasen, diskutierten und verewigten sich in einem der dicken Gästebücher – Graphic Novel Maus-Erfinder Art Spiegelman hinterließ eine kleine Zeichnung, die sich als Faksimile bewundern lässt.

Meterweise Material im Nachlass

„Mein bislang unsichtbares Archiv soll hier sichtbar gemacht werden und
Synergien mit Beständen der Monacensia erzeugen.“ Zitat Rachel Salamander

Ihr Privatarchiv überließ die engagierte Publizistin und Literaturwissenschaftlerin der Monacensia: Vierzig bis fünfzig laufende Meter an Material, schätzt Patrick Geiger. Über eine halbe Million Dateien. „Ein einzigartiger Wissensspeicher“, betont der promovierte Literaturwissenschaftler. Ausgewählte Dokumente und Originalquellen sollen demnächst unter monacensia-digital zu finden sein.

Frauen beim Besuch einer Ausstellung

In der Monacencia ist einges an #Female Heritage zu entdecken. / Foto: Gunda Achterhold

Es war ein eindrucksvoller Rundgang durch 40 Jahre jüdischen Lebens – optisch inspiriert von den weißen Regalen der Literaturhandlung bis hin zu den knallroten Ordnern, in denen Rachel Salamander Zeitungsartikel zu jüdischen Themen sammelte. In der Monacensia kann man sie nehmen, aufschlagen, lesen. Und viele zeitgeschichtliche Ereignisse aus einem sehr anderen Blickwinkel betrachten.

Gunda Achterhold für die jb-Regionalgruppe München