jb-Projekt Hedwig-Lab zu Gast im Kofra

Fotocollage aus dem Bericht „Nie wieder Pumps-Fotos für Frauen im Vorstand“ im Blog des jb-Projekts Genderleicht & Bildermächtig / Fotos: Oliver Berg, dpa
Nackte Frauenwaden, Schuhe mit hohen Absätzen – links und rechts davon zahlreiche Männerbeine in Anzughosen. Dieses Symbolbild wird gerne genommen, wenn Artikel zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ bebildert werden, berichtete jb-Gender-Expertin Christine Olderdissen bei ihrem Vortrag am 20.2. im Kofra (Kommunikationszentrum für Frauen). Was ist an diesem Bild sexistisch? Das Publikum war sich einig: Die nackten Frauenwaden inmitten der bekleideten Männerbeine. Christine Olderdissen hatte auch eine gute Alternative dabei: Das Symbolbild zeigt eine selbstbewusste und businessmäßig gekleidete Frau im Gespräch mit anderen Personen. Noch besser wäre es, so die Gender-Expertin, eine Führungsfrau zu zeigen und ihren Namen zu nennen.
Christine Olderdissen war von Kofra und der jb-Regionalgruppe München eingeladen worden, um über Frauenbilder in den Medien und das Projekt Hedwig-Lab zu berichten. Für den jb leitet sie das Webportal „Genderleicht & Bildermächtig“.
Bilder von Demos statt von Frauen in der Opferrolle
Auf diesem Portal finden sich zum Beispiel Tipps für die kreative Bildersuche oder ein Leitfaden für die Bebilderung des Themas Gewalt gegen Frauen. Auch dafür hatte Christine Olderdissen Beispiele dabei. Oft würden Frauen im Zusammenhang mit Gewalt als Opfer gezeigt. Besser sei es, Bilder von sich wehrenden Frauen oder Frauendemos zu nehmen. Auf www.genderleicht.de gibt es Checklisten für die Bildauswahl und Links zu alternativen Bilddatenbanken. Mit deren Hilfe lasse es sich vermeiden, dass sexualisierte oder stereotype Fotos ausgewählt werden, oder solche, die Frauen an den Rand drängen oder unterwürfig darstellen.
Wie aber kommt es, dass Redakteurinnen und Redakteure immer wieder solche Bilder auswählen? Das hänge mit den Klischees in den Köpfen, aber auch mit dem Zeitdruck oder dem Sparzwang in den Redaktionen zusammen, erklärte die Referentin. Hochwertige Fotos seien oft teuer und müssten intensiver gesucht werden, als sexistische Fotos. Aber sie war sich sicher: „Kritik in den sozialen Medien kann dafür sorgen, dass sich andere Auswahlkriterien durchsetzen“.
Zum Ende der Veranstaltung zeigte Christine Olderdissen weitere interessante Beispiele: Bilder vom Fotoprojekt Bildermächtig zum Thema Alte Frauen. Zu sehen sind weibliche Personen, die Sport treiben oder handwerken – mal was anderes als die üblichen Rollator- und Parkbank-Bilder.
Tina Stadlmayer
Anm.: Die Frau, deren Beine auf dem obigen Symbolfoto für das Thema Frauenquote im Vorstand mehr als 140 Mal von zahlreichen Medien benutzt wurden, ist Claudia Nemat, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Telekom.