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Grußwort zum 13. Medienlabor: Anke Spiess

Frau im roten Blazer steht am Redepult

Anke Spiess aus dem Vorstand des Journalistinnenbundes bei ihrem Grußwort für das 13. jb-Medienlabor / Foto: Ursula Kaufmann

Liebe Kolleginnen, liebe Medienmacherinnen, liebe Freundinnen des Lokaljournalismus, liebe Mitglieder des jb:
Herzlich willkommen zum 13. Medienlabor des Journalistinnenbundes zum Thema Lokaljournalismus!

Für mich ist es das allererste Medienlabor und ich bin total gespannt. Lokaljournalismus ist ein wichtiges Fundament für unsere Gesellschaft. Guter Lokaljournalismus trägt zur Demokratiebildung bei und nimmt die Menschen vor Ort mit in Entscheidungsprozesse.

Mein Name ist Anke Spiess, ich bin seit Sommer neu im Vorstand des Journalistinnenbundes und berichte als feste Freie für die WDR-Lokalzeit aus dem Bergischen Land. Ich liebe die lokale und regionale Berichterstattung. Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass ich dieses 13. Medienlabor hier in Essen eröffnen darf. Eigentlich würde unsere Vorstandsvorsitzende Sissi Pitzer heute hier stehen, sie ist aber leider krank. So habe ich also die Ehre und das Vergnügen das zu tun und soll ganz herzlich von Sissi grüßen!

Als Neue im Vorstand bin ich sehr beeindruckt, was dieser kleine Verein ehrenamtlich so alles auf die Beine stellt. Es folgt ein kleiner Info- und Werbeblock:

Jedes Jahr lobt der jb drei Journalistinnenpreise aus:

• Mit der Hedwig-Dohm-Urkunde wird eine Journalistin für ihre herausragende Lebensleistung geehrt.
• Der Courage-Preis für aktuelle Berichterstattung ist eine Auszeichnung für engagierte und mutige Journalistinnen.
• Der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis ist Anerkennung und Ansporn für Journalistinnen bis 35 Jahre.

Und der Journalistinnenbund fördert seit 2021 junge Kolleginnen auf dem Karriereweg mit einem Mentoringprogramm.

Und dann gibt es noch das großartige Projekt „Bildermächtig“, das analysiert, mit welchen Bildern Frauen in den Medien dargestellt werden – leider zuweilen völlig daneben – und welche guten Alternativen es geben würde. Christine Olderdissen, die Projektkoordinatorin, ist heute auch hier, denn natürlich ist die fotografische Abbildung von Frauen auch ein Thema im Lokaljournalismus. Christine kommt gerne in Redaktionen vorbei und stellt das Projekt ganz praktisch vor.

Mit Ausnahme von Bildermächtig werden alle anderen Projekte ehrenamtlich gestemmt, wie auch dieses 13. Medienlabor hier in Essen. Ein herzliches Dankeschön vom ganzen Vorstand geht deshalb heute an

Helga Kirchner, Rosemarie Mieder, Regine Münder, Dr. Sibylle Plogstedt, Diemut Roether, Tina Stadlmayer, Lisa Martina Klein, die diese Veranstaltung organisiert haben! Und an Dana Savic, Regina Voeltz und Sigrun Rottmann von der Regionalgruppe Ruhr, die hier vor Ort alles koordiniert haben.

Ein weiterer großer Dank mit Applaus geht an diejenigen, die Geld dafür gegeben haben, damit das Medianlabor auch in diesem Jahr stattfinden kann:

  • Die Emscher Genossenschaft,
  • die Otto Brenner Stiftung,
  • die Stiftung Presse – Haus NRZ
  • und das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das übrigens das Medienlabor von Anfang an unterstützt und es hoffentlich auch in Zukunft tut.

Dank ihrer Förderung können wir uns heute Abend über ein tolles Programm mit interessanten Panel-Gästen freuen, die aus ganz unterschiedlichen Himmelsrichtungen angereist sind, herzlich Willkommen, liebe Speakerinnen. Diemut Roether wird Sie gleich ausführlich vorstellen.

Medienlabor – das klingt nach Schutzbrille, Reagenzglas und der Hoffnung, dass am Ende etwas Neues entsteht, was Nutzen schafft- zumindest neue Erkenntnisse hervorbringt. So wie in den wunderbaren 12 Laboren vorher, in denen es zum Beispiel um KI, investigativen Journalismus, Sport-, Politik-, Kriegs- und Wissenschaftsberichterstattung ging und natürlich immer auch um die spezielle Rolle von Journalistinnen. Denn als Jornalistinnenbund haben wir in allen unseren Veranstaltungen und Projekten Kolleginnen im Fokus. Wie sind die Arbeitsbedingungen, stimmt der Verdienst, wie sieht es aus mit der Machtverteilung und Vielfalt in Redaktionen?

Denn wenn Redaktionen und deren Leitungen zum Großteil aus Männern bestehen, fallen viele Themen unter den Tisch, werden Frauen und ihre Anliegen nicht gesehen und nicht darüber berichtet. Deshalb ist es uns als Netzwerk von Journalistinnen wichtig, dass Kolleginnen in allen Bereichen paritätisch präsent sind – auch in Machtpositionen, wovon wir leider oft noch weit entfernt sind.

„Lokaljournalismus – zwischen Abwärtstrend und neuen Medienformen.“ Das könnte eine Heimat-Serie mit Happy End sein. Erst: sinkende Auflagen, ausgedünnte, zusammengelegte oder sogar geschlossene Zeitungsredaktionen. Klickzahlen als neue Währung – und dann Peng: die Wende. Podcasts, TikTok-Reels, Insta und Community-Journalismus und plötzlich steht der Lokaljournalismus wieder auf der Bühne.

Lokaljournalismus ist da, wo Macht konkret wird. Wo Entscheidungen Namen haben. Wo Politik nicht abstrakt ist, sondern die Frage betrifft, ob der Bus noch fährt, genügend Kitas geplant werden, Frauenhäuser aus den Nähten platzen, die Schule saniert wird, wie Haushaltsmittel ausgegeben werden.

Und da kommen Journalistinnen ins Spiel: War Lokaljournalismus früher zuweilen eine trinkfeste Veranstaltung mit viel Kumpelei und wenig Frauen in den Reaktionen, hat sich das doch sehr verändert – leider nicht immer, was Macht und Geld angeht – aber sicher schon, was die Vielfalt der Themen und die Arbeitsbedingungen betrifft.
Die „neuen Medienformen – und Formate“, über die wir heute sprechen, sind deshalb keine Spielerei. Sie sind Werkzeuge im Baukasten Socialmedia. Gute Storys können auch hier Nähe schaffen, Vertrauen aufbauen und Menschen zurückholen, die sich längst abgewendet hatten.

Dieses Medienlabor ist also kein nostalgischer Rückblick auf bessere Zeiten. Es ist ein Raum für Analysen, neue Zutaten in den Reagenzgläsern und Perspektiven, die Journalistinnen mitgestalten sollten.

Ich wünsche uns für dieses 13. Medienlabor kluge Diskussionen, scharfe Analysen und ein kreatives Neu-Denken.
Und ich wünsche uns das gute Gefühl, nicht allein zu sein – sondern Teil eines Netzwerks von Journalistinnen, die daran arbeiten, dass Lokaljournalismus Zukunft hat. Wenn wir sie gestalten.

Und wer Lust bekommen hat, in den Journalistinnenbund einzutreten, ich habe da was mitgebracht.

Frau an Redepult hält lachend kleine Flyer hoch

„Werden Sie Mitglied im Journalistinnenbund!“ / Foto: Ursula Kaufmann

Auch in diesem Sinne: auf ein inspirierendes Medienlabor – und auf Journalistinnen, die Lokaljournalismus jeden Tag möglich machen.

Vielen Dank!
Anke Spiess aus dem Vorstand des Journalistinnenbund e.V.