Rückblick: 13. Medienlabor über die Zukunft der Lokalberichterstattung

Angeregte Diskussion über die Zukunft des Lokaljournalismus zwischen Dominique Bielmeier, Sandra Danneil und Cordula Aßmann (v.l.n.r.) auf dem Podium / Foto: Ursula Kaufmann
Die gute Nachricht zuerst: Lokaljournalismus bleibt relevant. Immerhin nutzen 52 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren täglich mindestens ein lokaljournalistisches Angebot. Das bedeutet weit mehr als bloßes Verteilen von Informationen. Lokale Nachrichten ermöglichen die Teilhabe am Geschehen, sie stärken das Gefühl der Verbundenheit mit der Region, in der die Menschen leben, und stärken so das Vertrauen und den sozialen Zusammenhalt. – Das gehört zum Fazit einer aktuellen Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), die wissenschaftlich von Prof. Dr. Wiebke Möhring (TU Dortmund) begleitet wurde.
Mit einem Überblick und viel Zahlenmaterial aus dieser Studie gab die Wissenschaftlerin den Auftakt zu einer lebhaften Podiumsdiskussion, die die Probleme, Lösungswege und Alternativen regionaler Berichterstattung aufzeigte. Sie folgte damit auf ein Impulsreferat, das Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband, zum Einstieg in das Medienlabor hielt. Darin betonte er die fundamentale Bedeutung freier Medien, die derzeit unter großem wirtschaftlichen Druck stünden. Sie garantierten jedoch eine Teilhabe der Bürger*innen und ermöglichten somit auch eine Kontrolle der Macht.
Lokaljournalismus, der dafür von entscheidender Bedeutung ist, steht mit seinen schwindenden Einnahmen durch immer weniger verkaufte Zeitungsabos, denen gestiegene Herstellungskosten gegenüberstehen, unter massivem Druck. Dazu verschiebt sich der Zugang zu lokalen Informationen. Vor allem jüngere Zielgruppen konsumieren lokaljournalistischen Content primär nur noch über Social Media. So verändert sich nicht nur Wahrnehmung, sondern auch die wirtschaftliche Basis. Wenn nämlich Algorithmen über die Sichtbarkeit des Medienkonsums bestimmen, leidet die Vielfalt und wird eine Finanzierung immer unsicherer.
In fünf Jahren werde es keine Lokalzeitung mehr geben, erklärte Dominique Bielmeier von der Sächsischen Zeitung entschieden. Dem widersprach Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin des Mannheimer Morgen. Sie berichtete über Anstrengungen und Möglichkeiten, Abonnent*Innen zu halten und durchaus neu zu gewinnen. Sie erklärte jedoch auch, die Zukunft der Lokalpresse liege im Digitalen: Themenbezogene Digitalabos, Podcasts und Veranstaltungen müssten angeboten werden. So käme auch für Werbekunden eine interessante Reichweite zustande.
Von einer besonderen Nähe zu ihrem Publikum berichtete Cordula Aßmann, Chefredakteurin von Radio Hagen. Sie betonte in der Diskussion die Vorteile der lokalen Stationen in NRW, die direkt vor Ort Themen, Sorgen und Fragen aufgreifen und so in die lokale Gemeinschaft hineinwirken können. Allerdings würde dies zur Disposition gestellt, wenn im Zuge von Sparmaßnahmen der Betriebsgesellschaften und mit Zustimmung der Landesanstalt für Medien Lokalradios zusammengelegt würden.
Die Nordstadtblogger setzen dagegen fast ausschließlich auf ehrenamtliches Engagement, wie Dr. Sandra Danneil erklärte. Sie stellte die Arbeitsbedingungen des nicht-kommerziellen Online-Portals für Lokaljournalismus in Dortmund vor. Die Mitwirkenden sähen es als ihre Aufgabe an, nahe an der Community und den Menschen zu sein und über Themen zu berichten, die es nicht in die etablierte Presse schaffen.
Die Podiumsdiskussion, die von Diemut Roether, Verantwortliche Redakteurin bei epd medien, moderiert wurde, fand ihre lebhafte Fortsetzung in den Workshops.
Dass auch das 13. Medienlabor ein erfolgreiches war, ist nicht nur der langen Vorarbeit der AG und damit Helga Kirchner, Rosemarie Mieder, Regine Münder, Dr. Sibylle Plogstedt, Diemut Roether und Tina Stadlmayer zu verdanken. Die Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend, die Emschergenossenschaft, die Otto Brenner Stiftung und die Stiftung Presse-Haus NRZ – ermöglichten uns eine rundum gelungen Veranstaltung in den sehr schönen Räumen der Stiftung Mercator in Essen.
Rosemarie Mieder
AG Medienlabor
Aufzeichnung im YouTube-Kanal des Journalistinnenbundes
→ Keynote: Journalismus im Umbruch
→ Podiumsdiskussion: Zukunft des Lokaljournalismus
Das 13. Medienlabor in Bildern
Alle Fotos von Ursula Kaufmann, Essen
www.ursulakaufmann.de
Für den Start der Bildergalerien
auf dem Desktop ein Foto anklicken!
- Ein herzliches Willkommen zum jb-Medienlabor Lokalberichterstattung durch Diemut Roether
- Begrüßung durch Lothar Kuhn, Stiftung Mercator
- Begrüßung durch Anke Spiess, Vorstand des Journalistinnenbund e.V.
- „Werden Sie doch Mitglied im Journalistinnenbund!“
- Kurzimpuls: Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband
- Diemut Roether führt durch die Veranstaltung
- Keynote Prof. Dr. Wiebke Möhring, Uni Dortmund, zur Bedeutung des Lokaljournalismus
- In der ersten Reihe
- Lokalmedien genießen großes Vertrauen
- Publikum
- Podiumsdiskussion mit Lokaljournalistinnen über die Bedeutung der lokalen Berichterstattung
- Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin Mannheimer Morgen
- Dominique Bielmeier, Sächsische Zeitung, und Sandra Danneil, Nordstadtblogger Dortmund. Rechts daneben ….
- Cordula Aßmann von Radio Hagen
- Publikum
- Diskussion in den Workshops
- Workshop mit Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin Mannheimer Morgen
- Workshop mit Sandra Darneill, Nordstadtblogger Dortmund
- Petra Prahl, jb-Geschäftsstellenleiterin (li.) im Gespräch
- Prof. Möhring im Gespräch mit Sybille Plogstedt (li.) und Rosi Mieder (re.), Team Medienlabor
- Perfekte Betreung durch die Mitarbeiterinnen der Stiftung Mercator
- Die Regionalgruppe Ruhr im Gespräch.
- Die Mitwirkenden des 13. Medienlabors
- Dank an die Regionalgruppe Ruhr für ihre tatkräftige Unterstützung
→ Weitere Infos über das 13. jb-Medienlabor
→ Mehr zum Format jb-Medienlabor























