Grafik Journalistinnenbund

Dorothee Beck koordiniert das GMMP für den jb

Dorothee Beck (Foto: privat)

Der Journalistinnenbund koordiniert seit vielen Jahren das Global Media Monitoring Project (GMMP) für Deutschland. Das GMMP ist eine weltweite Medienbeobachtung zur Repräsentanz von Frauen in den Medien. Alle fünf Jahre wird an einem – vorher nicht veröffentlichten – Stichtag ausgewertet, wie viele Frauen in den Medien vorkommen und in welchen Rollen und Funktionen sie dort repräsentiert sind.

Seit vergangenen Jahr ist jb-Kollegin Dorothee Beck Ansprechpartnerin für das GMMP in Deutschland. Sie hat diese Aufgabe von ihrer Vorgängerin Birgitta M.Schulte übernommen.

Was bedeutet  diese Aufgabe konkret?

Weltweit wird der GMMP von der World Association for Christian Communication (WACC) in Kanada koordiniert. Ich bin deren Ansprechpartnerin in Deutschland. Meine Aufgabe ist es, die Erhebung in Deutschland vorzubereiten, für eine Finanzierung zu sorgen, die Durchführung zu koordinieren, die Erhebung auszuwerten und den Landesbericht nach Toronto zu senden. Außerdem stehe ich als Referentin zur Verfügung, wenn Organisationen oder Behörden sich für die GMMP-Ergebnisse interessieren.

Welchen Stellenwert hat das GMMP deiner Meinung nach?

Das muss man differenziert betrachten. Der Fragebogen muss ja sowohl in Ghana oder Afghanistan als auch in Deutschland oder den USA funktionieren. In Südamerika und anderen Ländern des globalen Südens hat der GMMP einen sehr großen Stellenwert, um die Sichtbarkeit von Frauen in der Öffentlichkeit zu stärken.

Für Deutschland hat sich gezeigt, dass der Fragenbogen nicht alle Facetten der Präsenz von Frauen in den Medien unserer differenzierten Gesellschaft abbilden kann. Da ist es besonders interessant zu fragen, wie Frauen in den Medien „gemacht“ werden. In der Politik spielt Mütterlichkeit eine große Rolle – „Mutti“ Merkel oder die „Mutter der Kompanie“ von der Leyen. Im Management gilt ein kooperativer, empathischer Führungsstil als „weiblich“. Dadurch werden Rollenbilder zwar modernisiert, aber auch bestätigt. Und es stellt sich zugleich die Frage, wie eigentlich Frauen inszeniert und bewertet werden, die ganz andere, vielleicht „männliche“ Qualitäten haben.

Die nächste weltweite Medienanalyse in Bezug auf Frauen wird ja erst 2020 stattfinden – was gibt es vorher zu tun?

Weil der GMMP-Fragebogen in seiner Aussagefähigkeit über die hiesigen Medien begrenzt ist, überlegen wir derzeit, wie wir eine ergänzende Erhebung in Deutschland und evtl. in anderen Ländern des reichen Nordens realisieren können. Dafür müssen wir eine Hochschule finden, die das in Deutschland übernimmt. Wir müssen Kooperationspartner_innen in anderen Ländern gewinnen und eine finanzielle Förderung einwerben.

Du hast dich beruflich auch mit Medienbeobachtung und -auswertung beschäftigt. Was hast du genau erforscht und was sind deine Thesen?

Meine Forschung passt gut zum GMMP. Ich habe die Mediendarstellung von Spitzenpolitikerinnen analysiert. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Frauen im Bild der Medien als handlungsmächtige Akteurinnen in der Politik angekommen sind. Jedoch werden sie mit Zuschreibungen inszeniert, die noch immer auf traditionell weibliche Rollenbilder Bezug nehmen. Da ist zum Beispiel die herzliche Landesmutter oder Kanzlerin Merkel als „Mutti“. Das gilt zunächst mal als angenehme Alternative zum sprichwörtlichen politischen Alphatier. Aber es besteht die Gefahr, dass Medien solche traditionellen Eigenschaften wieder rückwärts gewandt umdeuten, die Politikerinnen erneut abwerten und für inkompetent erklären. Die Modernisierung der Mediendarstellung bleibt also prekär und umkehrbar.

 

Buchtipp

Beck, Dorothee: Politikerinnen und ihr Griff zur Macht. Mediale Repräsentationen von SPD-Spitzenkandidatinnen bei Landtagswahlen. Bielefeld, transcript (2016)

http://www.transcript-verlag.de/detail/index/sArticle/3614/sCategory/7

Beck, Dorothee (2016): Mutti ist die beste. Die Mutter-Metapher als politische Kategorie in den Medien.
In: Maya Dolderer/Hannah Holme/Claudia Jerzak/Ann-Madeleine Tietge (Hrsg.):
O Mother, Where Art Thou? Westfälisches Dampfboot, Münster.
http://www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/o-mother-where-art-thou