Grafik Journalistinnenbund

GMMP 2009: Ergebnisse international

„It’s a man’s world.“ Was die Nachrichten angeht, stimmt das auch noch im Jahr 2010, so das Ergebnis der jüngsten Studie.

76 Prozent aller Menschen, von denen in den Nachrichten der Welt zu hören oder zu lesen ist, sind männlich. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, braucht es noch 43 Jahre bis die Nachrichtenpräsenz von Frauen ihrem Anteil an der Weltbevölkerung entspricht. (www.whomakesthenews.org)

In die weltweite Medienbeobachtung wurden am 10. November 2009 1.281 Zeitungen, Radio- und Fernsehanstalten sowie Nachrichtenseiten im Internet einbezogen. 16734 Nachrichten wurden durchforstet und 38.253 Personen als Gegenstand der Nachricht gezählt. Beteiligt waren 108 Länder, in denen zusammen 82% aller Menschen auf der Erde wohnen. Das Ergebnis:

Nur 24 Prozent der hör- und sichtbaren Personen waren Frauen. Gegenüber der Zahl von 17 Prozent im Jahr 2005 bedeutet das einen signifikanten Anstieg. Allerdings – auch hier ist der Fortschritt eine Schnecke.

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Rechte: WACC
Heather Plett, Director of Resources and Public Engagement der Canadian Foodgrains Bank, nahm dieses Foto anlässlich einer Schulspeisung im Dorf Ramnatte Pur im Distrikt Jessore in Bangladesh auf.

Internationale Ergebnisse

Nachrichtensendungen sind dominiert von Meldungen zu Regierungsarbeit (29%), Ökonomie (18%), Kriminalität (19%) und Kriegen. Soziales findet wenig Eingang. In der Kategorie „Soziales, Recht“ wurden 13 Prozent gezählt, in der Kategorie „Wissenschaft, Gesundheit“ 9 Prozent aller Meldungen.

In diesen wenigen Meldungen aber sind Frauen häufig: 32 Prozent im Themenbereich „Wissenschaft/Gesundheit“. In der Bildung kommen Frauen zu zwei Prozent, beim Thema Menschenrechte zu einem Prozent vor. In den Nachrichten zu den Themen Politik und Regierung waren Frauen zu 19 Prozent vertreten, beim Thema Wirtschaft weltweit zu 20 Prozent.

Die World Association of Christian Communication (WACC), die das Projekt koordiniert hat, fragt daher: Wie sollen Frauen Eingang finden in die Politik, wenn die Nachrichten sie dem Thema „Gesundheit“ zuordnen?

Als Experten in diesem Feld werden dennoch immer wieder Männer (weltweit: 69 %) befragt. Bildungsexperten sind ebenfalls zu 69 Prozent männlich, Rechtsexperten zu 83 Prozent, Wissenschaftler zu 90 Prozent. Ganz generell scheinen Männer in die Kategorie Experte zu fallen, während Frauen halt Menschen sind. Und als solche dürfen sie auch reden, zu ihren Themen eben: 72 Prozent Hausfrauen und 54 Prozent weibliche Studenten wurden gezählt. Jenseits von Haushalt und Kindern bleiben Frauen im weltweiten Nachrichtenbild so gut wie unsichtbar.

Ihr Alter aber ist von Interesse. Zweimal so häufig wie bei Männern wird ihr Alter genannt. Das Schlaglicht auf die Nachrichten in der Welt zeigt, dass bei ihnen der Familienstatus genannt wird, bei Männern nicht. Gleichzeitig wird die Bedeutung der Frauen für das Gemeinwesen heruntergespielt. So wird im Fernsehen eine neu gewählte schwedische Politikerin im Zoo gefilmt und dort nach ihren Kindern befragt, eine skandinavische Gewerkschafterin, die sich für den Mindestlohn einsetzt, wird im Urlaub beim Wäscheaufhängen interviewt.

Weltweit ergab die Zählung, dass Frauen als Radioreporterinnen weniger zu hören waren als noch 2005. Insgesamt gab es weniger Präsentationen von Frauen, weniger noch als 1995. Zeigt sich darin ein Backlash? Allerdings gibt es anscheinend mehr Anchorwomen und mehr ältere Frauen als Nachrichtensprecherinnen oder Präsentatorinnen. Ob sich darin wirklich ein Trend abzeichnet, das bedarf der Forschung, betont WACC.

Was das Machen angeht, so dominieren Männer bei den Themen Politik, Regierung, Wirtschaft und Kriminalität (70 %). Sogar im Themenfeld Gesundheit ging die Zahl weiblicher Journalisten zurück: auf 44 Prozent  2009/2010 gegenüber 46 Prozent im Jahr 2000. Das, was das höchste Renommee hat, dürfen Frauen also nach wie vor nicht machen. Aber: es gibt mehr Frauen in der Auslandsberichterstattung.

Was sich in Deutschland nur schwerlich nachweisen lässt, wurde in der weltweiten Erhebung belegt: Frauen werden häufiger in Geschichten von Frauen zum Thema.

Weitere Informationen

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der deutschen Medienbeobachtung am 16. Februar 2005 liegt unter dem Titel „Präsenz von Frauen in den Nachrichten. Medienbeobachtungen 2005“ gedruckt vor. Die Dokumentation enthält unter anderem die quantitative und qualitative Auswertung von zwölf Fernseh- und acht Radio-Nachrichtensendungen öffentlich-rechtlicher und privater Sender sowie die von zehn Tageszeitungen am genannten Stichtag.

Ergänzt wird sie durch eine Zwölf-Wochen-Presseanalyse, die von einem Studienseminar an der Universität Lüneburg unter Leitung von Prof. Dr. Jutta Röser begleitend zum GMMP durchgeführt wurde. Die Broschüre kann über die JB-Geschäftsstelle bestellt werden.

Birgitta M. Schulte

Mehr zum Thema

GMMP 2010: 15 Jahre nach Peking (pdf)

„Präsenz von Frauen in den Nachrichten – Medienbeobachtungen 2005 (pdf)

JB-Pressemeldung zur Aktion 2006 „Wer macht die Nachrichten“

„Margaret Gallagher: Geschlechtsrepräsentationen in den Medien: Beobachtungen und ein globales Bemühen, den Status Quo zu verändern (Januar 2006) (pdf)

„Vernachlässigt: Frauen in den Nachrichten führender Printmedien -Stichprobenuntersuchung 2004“ (pdf)

Homepage Global Media Monitoring Project und Informationen zur Kampagne „Who makesthenews“

Stand: April 2013

Kontakt: info@BirgittaM-Schulte.de