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Jeden Monat Eins: Ivy Nortey mit Tina Srowig + Mimi Lakatoš

Dreierportrait: Ivy Nortey, Tina Srowig und Mimi Lakatoš

Erfolgreiches Mentoring-Trio: Ivy Nortey, Tina Srowig und Mimi Lakatoš / Fotos: Gesa Jessen (Nortey), Jan Knoff (Srowig)

Ivy Nortey ist in diesem Jahrgang die Einzige, die gleich zwei Mentorinnen an ihrer Seite weiß. Nach sechs Monaten ziehen Tina Srowig, Mimi Lakatoš und Ivy Nortey Bilanz: Mentoring dient als Spiegel und Frauen müssen sich im Journalismus mehr vernetzen, füreinander einstehen und sichtbarer werden.

 

Tina Srowig ist freie Autorin für Fernsehen, Social Media und Hörfunk. Nach einem Volontariat beim WDR arbeitet sie dort nun hauptsächlich. Sie hat beim WDR u.a. den Reitsport-Instagramkanal diemitdenpferden mitgegründet und arbeitet als Autorin für Frau TV. Mit zwei Kolleginnen hat sie die Medienberatung Kooperative W ins Leben erufen, die als Ziel hat Frauen und ihre Fähigkeiten noch stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.

Jasmin Lakatoš (genannt Mimi) ist Fernsehjournalistin, Filmemacherin, Autorin und Formatentwicklerin. Seit zehn Jahren macht sie dokumentarische Filme und Reportagen für öffentlich-rechtliche Sender und ARTE. Sie hat das Format Friederike klopft an mit einer Kollegin entwickelt, macht Porträts und schreibt über Frauen, Gesellschaft und kulturelle Themen.

Ivy Nortey ist freie Hörfunkjournalistin. Nach einem Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule Berlin und Stationen beim WDR Kinderradio, bei der taz, Bayern 2, Puls und beim Fernsehen, arbeitet sie u.a. als Autorin, Redakteurin und Moderatorin für Deutschlandfunk Nova und in der Podcast-Entwicklung für Deutschlandfunk Kultur. Als freie Journalistin realisiert sie unterschiedliche Podcast-Projekte, wie etwa für das Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung Berlin oder mit Jugendlichen mit Migrationsgeschichte aus Berlin Neukölln.

Das Mentoring-Trio im Gespräch

Was macht für euch guten Journalismus aus?

Tina: Ich finde es wichtig, dass man immer offen, neugierig ist und nicht mit vorgefertigten Meinungen an irgendetwas herangeht. Das ist eine Grundvoraussetzung, dass man gut und breit recherchiert und verschiedene Perspektiven auf ein Thema mit einbezieht. Und dass man kritisch auf Dinge guckt und das hinterfragt, was andere Leute sagen und warum die das so gesagt haben, wie sie es gesagt haben.

Mimi: Angesichts zunehmender Fake News ist es wichtig, journalistische Standards einzuhalten und zu schauen, dass wir guten Journalismus machen. Dazu gehört auch, die eigene journalistische Sorgfalt immer wieder zu überprüfen und zu schulen. Es ist wichtig, dass wir im Diskurs bleiben und dass der Journalismus es schafft, auch zwischen den Zeilen, Bildern und Menschen zu bleiben.

Ivy: Ich würde sagen, dass guter Journalismus alle gesellschaftlichen Gruppen berücksichtigt. Auf jeden Fall kritisch ist, aber auch konstruktiv. Situationen und Gefühle authentisch transportiert und Blickwinkel so erweitert werden können.

Warum habt ihr beschlossen, am Mentoring-Programm teilzunehmen?

Ivy: Das Programm wurde in der Whatsapp-Gruppe meiner Journalistenschule vorgeschlagen. Ich habe immer sehr positive Erfahrungen gemacht im Austausch mit Frauen* und finde es schön, von der Erfahrung anderer zu lernen.

Tina: Mimi und ich waren selber bis vor einigen Jahren Mentees. Wir haben gemerkt, dass das Mentoring ein tolles Netzwerk bringen kann und wie viel der Austausch wert ist. Wir wollten gerne Frauen im Journalismus stärken. Ich persönlich finde es auch cool, mit jüngeren Kolleginnen zusammenzuarbeiten.

Mimi: Dieses Gefühl, nicht alleine zu sein und dass es da eine Frau oder eine Kollegin gibt, die sicherlich eine Antwort weiß. Gerade am Anfang einer Berufslaufbahn in unserer Branche ist das sehr, sehr wichtig. Das Mentoring verstehe ich nicht als eine Vorgabe gewisser Dinge, sondern Tina und ich versuchen letztendlich ein Spiegel zu sein, dass Ivy selbst zu ihren Erkenntnissen kommt und wir da nur ein paar Leitplanken bieten.

Seit sechs Monaten kennt ihr euch: Was habt ihr beim Mentoring-Programm voneinander gelernt?

Ivy: Ich habe ziemlich viel daraus mitgenommen. Es ist einfach mega cool, zwei so tolle Ansprechpartnerinnen wie die beiden zu haben, die verschiedene Skills mitbringen, von denen ich mir Dinge abgucken kann. Und die, wie Mimi sagt, die eigenen Gedanken spiegeln.

Tina: Klare Vorstellungen zu haben im Sinne von Honoraren, das auch einzufordern und dafür zu kämpfen, wenn das mal nicht so läuft. Einfach zu wissen, was meine Arbeit wert ist und dass ich auch was dafür verlangen kann . Sich zwischendurch immer mal zu fragen: Was will ich eigentlich oder wo möchte ich eigentlich noch hin und wie könnte ich das erreichen? An welchem Punkt bin ich? Das ist eine Möglichkeit sich selbst zu hinterfragen und zu gucken, was müsste ich dafür vielleicht auch selbst in Angriff nehmen?

Mimi: Durch Ivy habe ich Einblick in ein anderes Gewerk und in ein anderes Metier erhalten. Und auch, was aktuelle Probleme in der Branche oder Herausforderungen für eine junge Kollegin sind. Und was ich auch spannend finde und sich dann auch im Mentoring zeigt: unterschiedliche Herangehensweisen.

Warum ist es besonders jetzt wichtig, dass sich Journalistinnen untereinander vernetzen und zusammenarbeiten?

Ivy: Es ist immer wichtig, dass sich Frauen* bzw. Journalistinnen* vernetzen. Ich glaube, Männern ist es anders gegeben, einander zu supporten, während Frauen* aktiv werden müssen, um füreinander einzustehen.

Tina: Wenn man auch strukturell oder gesellschaftlich auf die Situation von Frauen und von Journalistinnen guckt, gibt es einfach bestimmte Themen, die Journalistinnen mehr betreffen, wie zum Beispiel Hate Speech oder auch Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder auch natürlich Equal Pay.

Mimi: Nicht nur jetzt, es war immer wichtig und wird auch immer wichtig sein. Wir Frauen müssen eben auch selbst dafür sorgen, sichtbarer zu werden. Auf allen Ebenen, in allen Kanälen. Und das erreichen wir besser gemeinsam. Das ist nicht nur Frauensache, sondern Aufgabe aller.

Autorin: Eliane Morand