Wegweisendes Urteil für freie TV-Produzentinnen

Die Leipziger TV-Produzentin Jana Bernhardt hat für ihr Recht gekämpft. / Foto: Dreh-WG
RTL muss Werbeeinahmen offenlegen:
David oder in diesem Fall besser Jana gegen Goliath: jb-Mitglied Jana Bernhardt hat sich in einem fünfjährigen, mehrstufigen Rechtsstreit gegen RTL durchgesetzt. Ausgangspunkt waren nach ihren Angaben zu niedrige, nicht branchenübliche Honorare für mehrere investigative Reportagen (z.B. „Tamer Bakiner – Das System Tönnies“ oder „Vorsicht Falsche Polizisten“), die Jana Bernhardt mit ihrer Leipziger Firma Dreh-WG Film- und Fernsehproduktions GmbH produziert hatte.
Das jetzt bestätigte Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 15. November 2024 (Az. 6 U 60/24) verpflichtet RTL dazu, gegenüber der Produzentin Werbeeinnahmen rund um die Ausstrahlung offenzulegen; der Sender war nach Ausschluss der Revision mit einer Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Eine Beschwerde von RTL beim Bundesverfassungsgericht wurde nicht angenommen. Der Online-Branchendienst DWDL.de und auch die Legal Tribune Online LTO berichteten über den Fall. Bei LinkedIn hat der jb-Vorstand am 11.9.2025 wie folgt Stellung genommen:
Große Ankündigung, nichts dahinter?
Das Urteil ist wegweisend, der Instanzenweg ausgeschöpft, nun muss RTL Deutschland seine Ankündigung auch wahrmachen und dem Urteil des Landgerichts Köln unverzüglich nachkommen, fordert der Journalistinnenbund e.V. Dem Urteil zufolge müssen die Werbeeinnahmen rund um die Ausstrahlung von investigativen Dokumentationen, die Jana Bernhardt produziert hat, offengelegt werden. Dies ist nach Auskunft Bernhardts bislang nicht geschehen. Die Produzentin beruft sich auf den Fairness-Paragraphen, demzufolge ein Ausgleich zu leisten ist, wenn die Vergütung unverhältnismäßig niedrig ist. Um dies prüfen zu können, braucht es die Offenlegung der Einkünfte des Senders rund um die Ausstrahlung, so die erfolgreiche Klägerin.
„Jana Bernhardt ist einen langen juristischen Weg gegangen, um die Rechtmäßigkeit ihrer Forderungen gerichtlich prüfen zu lassen. Wir danken ihr für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, die sie auch auf dem weiteren Weg der Auseinandersetzung brauchen wird. Frauen wie sie verändern mit ihrem Einsatz unsere Branche und gehen mit uns den Weg, um mehr Gleichberechtigung und faire Honorare in den Medien zu erreichen“, so Sissi Pitzer, stellvertretende Vorsitzende des jb.