Grafik Journalistinnenbund

„Wir können es nicht erzwingen“

Erich Laaser, Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, über Frauen in der Sportberichterstattung

Herr Laaser, warum gibt es eigentlich nur zehn Prozent Frauen in ihrem Verband?

Weil wahrscheinlich nur ungefähr zehn Prozent aller SportjournalistInnen in Deutschland weiblichen Geschlechts sind. Wenn ich mir die Menschen angucke, die ich bei Sportveranstaltungen und in Stadien treffe und die sich Journalisten nennen – das sind immer 80 bis 90 Prozent Männer.

Haben wir ein verzerrtes Bild von der Menge der Sportjournalistinnen in Deutschland, weil wir ein paar Starreporterinnen aus dem Fernsehen kennen?

Reporterinnen ist ja schon fast zu hoch gegriffen. Es gibt Moderatorinnen, aber die reine Kommentatorin, wie es im Fußball 99 Prozent Männer sind, die gibt es ja ganz selten.

Woran liegt das?

Ich glaube, dass sich nicht so viele trauen, weil alle immer hören, es sei eine Männerdomäne. Es gibt ganz viele Männer in Führungspositionen, die das nicht wollen und nicht fördern.

Viele Spiele finden am Wochenende statt. Wie ist es denn um die Vereinbarkeit des Jobs mit einer Familie bestellt? Könnte das auch ein Punkt sein, der Frauen vom Beruf Sportjournalistin abhält?

Die Vereinbarkeit ist natürlich schlecht, man muss wissen, worauf man sich einlässt, wenn man das macht. Wenn man mit Kollegen spricht, Ü 40, die eine Familie haben, die verheiratet sind – das ist das alles arrangiert. Aber in den Zwanzigern, wenn man grad erst anfängt in dem Job, da einen Partner zu finden, der sagt: Okay, dann machen wir das so, das funktioniert schon – das halte ich für schwer.

Was halten sie von Quoten oder Aktionen wie die der Taz, die gezielt Frauen im Sportjournalismus fördern wollen?

Es ist ja immer die Frage: Was bringt das für meine chemische Zusammensetzung in der Redaktion? Es ist eine Frage der Qualität. Ich bin gespannt, was sie bei der Taz für Erfahrungen machen. Versuchen kann man ja vieles. Ich habe auch schon viel versucht. Schon vor zwölf Jahren habe ich versucht, eine Frau unter vierzig, womöglich auch aus den neuen Bundesländern, für unser Präsidium als Mitglied zu finden. Das ist mir nicht gelungen.

Wir können es nicht erzwingen.

Abseits von Qualitätsdiskussionen: Was braucht es denn, damit Frauen, die die gleiche Qualität wie männliche Kollegen liefern würden, hervorkommen?

Mehr Selbstbewusstsein, Koalitionen bilden mit anderen Frauen, die in diesem Beruf drin sind. Mit Frauen, die Fuß gefasst haben, Kontakt aufnehmen. Unterstützung suchen, mal fragen: Wie lief das denn bei dir, wie ist das denn gekommen? Man braucht viele Kontakte, von denen man was lernen kann, die man aber zur Not auch anzapfen kann. Mehr Selbstbewusstsein bedeutet auch: Wenn eine junge Frau meint, sie möchte gern Fußball kommentieren und sie kann das, dann muss sie sich bei den entsprechenden Leuten genau so bewerben.

Haben sie denn eine „Lieblingsfrau“ in der Sportberichterstattung?

Nein, genau so wenig, wie ich einen „Lieblingsmann“ habe. Es geht darum: Wer sind die Leute, die am wenigsten nerven. Wenn jemand in mein Wohnzimmer reinkommt, sei das jetzt visuell oder weil ich ihn nur höre, wenn er etwas kommentiert, dann darf der mich nicht nerven, sonst nehme ich die Fernbedienung.

Monika Lierhaus vor ihrer Erkrankung, habe ich gerne gesehen, da wusste ich: Da ist Kompetenz vorhanden. Ich behaupte, ganz ehrlich, ohne Namen zu nennen, dass es bei manchen Sendern Frauen gibt, die im On erscheinen dürfen, weil sie Frauen sind. Obwohl in der Redaktion Männer wären, die besser qualifiziert sind.

Geht es da nur darum, blond und blauäugig zu sein?

Blond scheint ein Kriterium zu sein. Ich kann mich in die Leute, die das zu entscheiden haben, nicht hinein versetzen. Ich kann aus meiner aktiven Zeit, als ich für Redaktionen zuständig war, immer nur sagen: Ich habe mich immer gefreut, wenn Frauen sich beworben haben, weil mich das dazu motiviert hat, was anderes rauszufiltern. Aber wenn ich das beobachte, was auf dem Schirm so abgeht, kann ich den Eindruck mit blond auf jeden Fall teilen.

Beschädigen diese Frauen das Bild, das wir von Sportjournalistinnen haben?

Meine Erfahrung an den Hochschulen, an denen ich unterrichte mit jungen Männern und auch ein paar Frauen, ist meist die Resonanz auf die Frage: Wer gefällt ihnen und wer nicht und warum? Oft, wenn wir über negative Dinge reden, wird dann gesagt: Na die ist ja nur da, weil sie gut aussieht.

Das finde ich schade, wenn es wirklich so ist. Manchmal treten da junge Frauen auf, von denen ich denke, dass es besser wäre, wenn sie noch ein wenig lernen würden, für den Beruf insgesamt und für das Image der Fernseh-Sportjournalistinnen und für sie selber auch.

Das Gespräch führte Juliane Schiemenz.

Zur Person: Erich Laaser, Jahrgang 1951, ist Radiomoderator und Sportreporter. Laaser ist seit 1999 Präsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS), der etwa 3600 Mitglieder hat.